10. August 1897: Die Erfindung des Aspirins

Stichtag

10. August 1897: Die Erfindung des Aspirins

Wer Schmerzen und keine Medizin zur Hand hat, dem bleibt nur Zähne zusammenbeißen - oder, wie die Verwundeten in den Napoleonischen Kriegen, auf ein Stück Weidenholz. Schon der antike Heiler Hippokrates hat herausgefunden, dass Extrakte der Weidenrinde (lat. Salix alba) Schmerzen und Fieber lindern. 1828 gelingt einem Münchener Pharmazieprofessor erstmals die Isolierung des Wirkstoffs, den er "Salicin" nennt. 50 Jahre später kann Salicylsäure auch synthetisch hergestellt werden. Problematisch bleibt aber der Ekel erregende Geschmack und dass das Mittel die Schleimhäute in Mund und Magen angreift. Erst einem jungen Chemiker der "Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co" gelingt die Veredelung der Salicylsäure zum ersten wirkungsvollen und nebeneffektarmen Analgetikum der Medizingeschichte.

Im Wuppertaler Forschungslabor von Bayer schreibt der 29-jährige Felix Hoffmann am 10. August 1897 auf, wie er durch Beifügung von Essigsäure aus Salicylsäure reine Acetyl-Salicylsäure (ASS) hergestellt hat. Das Heilmittel wird 1899 als "Aspirin" zum Patent eingetragen. Fast verhindert Heinrich Dreier, Chef der Bayer-Pharmakologie, noch den Siegeszug der Erfindung - denn Dreier sieht in ASS nur eine geringfügige Weiterentwicklung einer bekannten Rezeptur und misst ihr kommerziell keine Bedeutung zu. Erst ein Machtwort des Unternehmensleiters Carl Duisberg macht den Weg für Aspirin frei, das sich nach einer beispiellosen weltweiten Werbekampagne innerhalb weniger Jahre zum Umsatzriesen entwickelt. Aspirin hat wesentlichen Anteil am Aufstieg von Bayer zum internationalen Chemiekonzern.

Im Laufe der Jahre entdecken die Pharmaforscher immer neue Heil bringende Eigenschaften von ASS, etwa in der Vorbeugung gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle. Aktuell wird die Allzweckwaffe, die inzwischen auch unter etlichen anderen Markennamen verkauft wird, im Einsatz gegen Diabetes, Alzheimer und Krebs erprobt. Heinrich Dreier, der Aspirin-Blocker bei Bayer, setzte damals übrigens voll auf eine weitere Entwicklung des findigen Felix Hoffmann. Dessen neuer Hustensaft befreite die Testpatienten nicht nur vom Halsweh, er erzeugte auch "heroische" Gefühle. Die Aspirin-Macher gaben dem Saft daraufhin den Namen "Heroin".

Stand: 10.08.07