5. April 1722: Roggeveen entdeckt die Osterinsel

Stichtag

5. April 1722: Roggeveen entdeckt die Osterinsel

5. April 1722: Drei holländische Schiffe unter dem Kommando von Jakob Roggeveen befinden sich auf 27 Grad 4 Minuten südlicher Breite und 266 Grad 31 Minuten Länge - also mitten im Pazifik - als der Ruf "Land in Sicht" ertönt. Sie sind auf eine Insel gestoßen, 3.500 Kilometer von der südamerikanischen Küste und 2.000 Kilometer von der nächsten bewohnten Insel entfernt. "Wir gaben dem Land den Namen Osterinsel, denn es wurde von uns am Ostertag entdeckt", schreibt Roggeveen ins Logbuch.

Steinerne und lebende Bewohner

Die Osterinsel ist gerade einmal 24 Kilometer lang, karg und unbewaldet, ohne flache Strände, aus 67 erloschenen Vulkanen gebildet und ständig vom Wind gezaust: "Es gibt kein anderes Land, welches weniger Erfrischung und Annehmlichkeiten bietet", wird später der Seefahrer James Cook schreiben, und der Abenteurer Thor Heyerdahl hält die Insel für den "einsamsten Fleck auf Gottes weiter Erde". Aber die Entdecker erleben schon am zweiten Tag zwei Überraschungen: An der Küste der Insel stehen riesige Steinfiguren und vom Landesinneren steigt Rauch auf. Bald begegnen Roggeveens Leute den Kanus der Eingeborenen, die allerdings undicht und nicht sehr seetüchtig sind. An Land kommt es gleich zu einer Schießerei, weil die Insulaner einem Matrosen sein Gewehr abnehmen wollen. Es gibt mindestens zehn Tote und viele Verwundete. Einen Tag später, am 10. April 1722, verlassen die Schiffe die Insel wieder.

Der Nabel der Welt

50 Jahre lang bleibt die Insel wieder sich selbst überlassen, wie sie es zuvor 500 Jahre lang war. Wie man heute weiß, wurde sie schon vor über tausend Jahren durch Polynesier besiedelt. Die Landung des Königs Hotu Matua im 12. Jahrhundert ist sogar überliefert. Denn die Einwohner, welche ihr Land "Te Pito o te Hunua" ("Der Nabel der Welt") nennen, entwickelten nicht nur eine komplexe Musik, sondern auch die einzige Schrift des Südpazifik. Und sie errichteten insgesamt fast tausend Moais, bis zu 10 Meter hohe, tonneschwere Steinfiguren. Wie war das fast ohne Werkzeuge möglich? Die Figuren bewegten sich früher selbst, glaubten die Eingeborenen später. Außerirdische halfen, meinte Erich von Däniken. Inzwischen bewiesen Archäologen, dass die Insel früher von Bäumen bestanden war. Holzkonstruktionen und Seile aus Pflanzenfasern halfen beim Bau der Kultfiguren. So gilt die Osterinsel heute als Modellfall ökologischen Raubbaus. Aus Prestigegründen und in zahlreichen blutigen Gruppen-Kriegen entwaldeten die Einheimischen ihre isolierte Welt, bis nur noch Reste der einstigen Kultur blieben. Ohne Holz fehlten auch die Schiffe, um die Insel zu verlassen.Den letzten Insulanern machte ihre Entdeckung fast den Garaus: Im 19. Jahrhundert verschleppen peruanische Sklavenhändler viele von ihnen, andere sterben an den eingeschleppten Krankheiten der Weißen. Schließlich leben noch 111 Einheimische. Heute sind es wieder etwa 2.000. Sie unterstehen der Verwaltung Perus. Es gibt Fischfang, Tourismus und eine Notlandebahn für das Space-Shuttle.

Stand: 05.04.07