12. Dezember 1037: Ibn Sina in Hamadan gestorben

Stichtag

12. Dezember 1037: Ibn Sina in Hamadan gestorben

Als er im Jahr 980 geboren wird, zerfällt das islamische Weltreich allmählich in kleinere Fürstentümer. Abu Ali al-Hussain ibn Abd-Allah ibn Sina kommt als ältester Sohn eines Hofbeamten in der Nähe von Buchara zur Welt. Die Stadt im heutigen Usbekistan gehört damals zu Persien und ist ein wichtiger Handels- und Regierungssitz. Ibn Sina entwickelt sich zum Wunderkind: Seine Lehrer können ihm bald nichts mehr beibringen, also widmet er sich den Büchern. Mit 16 Jahren gilt er als ausgebildeter Jurist, Arzt, Philosoph und Theologe, mit 18 Jahren ist er nach eigenen Angaben "mit allen Wissenschaften am Ende", ein Universalgelehrter also.

Dabei führt Ibn Sina kein Leben im Elfenbeinturm. In seiner Heimatstadt greift er einmal in die Politik ein: Er wird Wesir, also Stadthalter des persischen Herrschers, provoziert eine Militärrevolte gegen sich und landet für einige Zeit in Festungshaft. Meist arbeitet er als Leibarzt für wechselnde Fürsten, mit denen er immer wieder in den Krieg ziehen muss. Zum Studieren und Schreiben kommt er oft nur nachts. Dabei ist er stets dem Leben zugewandt: Seine Müdigkeit bekämpft er gern mit Wein, Traurigkeit mit Hofdamen und Sklavinnen.

Ibn Sina möchte die Religion Mohammeds und die Vernunft des Aristoteles miteinander versöhnen. Für ihn hat der Mensch durch sein Selbstbewusstsein Anteil an einer überpersönlichen Vernunftseele der Welt, die selbst Ausfluss Gottes ist. Durch Erkenntnis kehrt der Mensch in seinen Ursprung zurück. Ibn Sina verarbeitet diesen Ansatz zur größten systematischen Wissenschaft seiner Zeit, die er in zwei Hauptwerken veröffentlicht: Der "Kanon der Medizin" beschreibt das Wissen über die Körper, sein "Buch der Genesung" bietet eine Zusammenfassung der Philosophie. Ibn Sina stirbt 1037 mit 57 Jahren auf einem Feldzug im persischen Hamadan. Später wird ihm hier ein großes Mausoleum errichtet.Ibn Sinas Werke gelangen zunächst über jüdische, also hebräische Übersetzungen ins Abendland, wo sie ins Lateinische übersetzt werden. Unter dem Namen Avicenna inspiriert der Gelehrte im 12. Jahrhundert das mittelalterliche christliche Denken. Avicenna stößt die Wiederentdeckung des Aristoteles an und gilt bis in die Neuzeit hinein als einer der größten Mediziner. Mailänder Apotheker stiften Mitte des 15. Jahrhunderts ein Portrait Avicennas in einem Glasfenster des Mailänder Doms.

Stand: 12.12.07