01. Juli 1852: Friedrich C. Gerke führt das Morse-Alphabet ein

Stichtag

01. Juli 1852: Friedrich C. Gerke führt das Morse-Alphabet ein

Dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz. Verzweifelt hämmern Funker in der Nacht auf den 15. April 1912 SOS-Notrufzeichen in ihre Morsetasten. Die "Titanic" hat im Nordatlantik einen Eisberg gerammt und beginnt zu sinken. Dank der drahtlosen Telegraphie kann wenigstens ein Teil der Passagiere und der Besatzung gerettet werden. Die so genannten Morsezeichen alarmieren noch bis 1999 Rettungsmannschaften in aller Welt. Dann werden sie durch automatische Funk- und Satellitenpeilungen ersetzt. Nur Funkamateure nutzen heute noch den Punkt-Strich-Code. Die dafür gängige Bezeichnung Morse-Alphabet ist allerdings irreführend. Die Zeichenkombination stammt nicht von Samuel F.B. Morse.

Der amerikanische Maler Morse präsentiert zwar 1844 in Washington seinen Morse-Telegraphen. Aber außer einer guten Idee hat er zu dieser Erfindung nicht viel beigetragen. Die Hauptarbeit hat sein Assistent und Kompagnon Alfred Vail geleistet. Er hat das technische Wissen und sein Vater das nötige Kapital. Trotzdem vermarktet Morse das Gerät unter seinem Namen. So kommt 1847 die so genannte Morse-Telegraphie auch nach Hamburg und begeistert Friedrich Clemens Gerke. Der am 22. Januar 1801 in Osnabrück geborene "Freund des Fortschritts", wie er sich selbst nennt, hat viele Berufe. Er ist Söldner, Musiker, Zigarren- und Hutmacher, Buchdrucker und Übersetzer. Als Journalist agitiert er gegen die Kirche, engagiert sich für Juden, Prostituierte und Arme. Schließlich wird er Telegrapheninspektor und überarbeitet das Morse-Alphabet systematisch.

Gerke reduziert den Code von Morse-Mitarbeiter Vail auf zwei Zeichen: Punkt und Strich. Damit erhalten alle Buchstaben und Ziffern sowie die wichtigsten Satzzeichen eine eigene Folge aus kurzen und langen Signalen. Dieser Code wird am 1. Juli 1852 zum Standard in Deutschland und Österreich erhoben. 13 Jahre später gilt er sogar weltweit als Verständigungsgrundlage - außer in den USA. Gerke wird daraufhin als höherer Beamter eingestellt und 1871 zum Vorsteher der "Kaiserlichen Telegraphenstation Hamburg" ernannt. Er stirbt am 21. Mai 1888.

Stand: 01.07.07