02. Juni 1967: Benno Ohnesorg wird erschossen

Stichtag

02. Juni 1967: Benno Ohnesorg wird erschossen

2. Juni 1967: Der Schah von Persien und seine Frau Farah Diba werden in West-Berlin erwartet. Bundespräsident Heinrich Lübke und seine Frau Wilhelmine freuen sich auf den gemeinsamen Opernabend. Doch auf der Straße teilen hunderte Studenten diese Freude nicht. Sie werfen dem Schah-Regime Unterdrückung und Folter vor. Mit Worten, Eiern und Tomaten machen sie ihrer Wut Luft. Der Wagen des Schahs wird unter das Vordach der Oper gefahren, damit ihn die Wurfgeschosse nicht treffen. Der iranische Attaché hat Schah-Anhänger zum Tagessatz von 80 Mark einfliegen lassen. Die so genannten Jubel-Perser dreschen mit Zaunlatten auf die Demonstranten ein. Die Polizei sieht zu. Dann erteilt Berlins Regierender Bürgermeister Heinrich Albertz den Befehl, bis zum Schlussapplaus die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.

Während in der Oper die Zauberflöte ertönt, eskaliert draußen die Lage. Die Polizei jagt die Demonstranten auseinander. Sie flüchten in Toreinfahrten und Hauseingänge. Theologie-Student Benno Ohnesorg ist kein erfahrener Demonstrant. Der 26-Jährige im roten Hemd fällt auf. Er will ein Handgemenge schlichten - und gerät selbst ins Visier. Ein Augenzeuge beobachtet, wie eine Gruppe von Polizisten auf Ohnesorg einschlagen: "Dieser war völlig wehrlos, völlig passiv, und dann habe ich plötzlich das Mündungsfeuer von einer Pistole gesehen." Der Schuss stammt aus der Waffe des Polizisten Karl-Heinz Kurras. Bis der sterbende Ohnesorg ins Krankenhaus eingeliefert wird, vergeht fast eine Stunde - zu spät für jede Hilfe.

Ohnesorgs Tod markiert eine Wende. Michael "Bommi" Baumann, später Gründungsmitglied der Terrorgruppe "2. Juni", erlebt den Tag mit der späteren RAF-Terroristin Gudrun Ensslin: "Gudrun hat da gestanden und gesagt: Das sind immer dieselben Faschisten, die werden auch uns alle töten. Wir müssen anfangen, uns zu bewaffnen." Aus der antiautoritären Revolte in Berlin wird eine bundesweite Protestbewegung, erinnert sich auch der spätere Außenminister Joschka Fischer (Grüne): "Das hat mich politisiert, radikalisiert. Ein Schritt gab den anderen." Für tausende Studenten steht nun fest, dass die westdeutsche Demokratie nur auf dem Papier existiert. Erst recht, als klar wird: Todesschütze Kurras wird freigesprochen. "Da begriffen wir, dass Freiheit in diesem Staat die Freiheit der Polizeiknüppel ist", schreibt Journalistin Ulrike Meinhof. Die Politik reagiert spät: Erst tritt Berlins Polizeipräsident zurück, dann der Innensenator und schließlich Bürgermeister Albertz. Ein Sieg für die Außerparlamentarische Opposition ( APO ). Wenig später gehen die ersten Brandsätze in Frankfurter Kaufhäusern hoch. Andreas Baader wird mit Hilfe von Ulrike Meinhof aus dem Gefängnis befreit. Zusammen gründen sie die "Rote Armee Fraktion" (RAF).

Stand: 02.06.07