17. Februar 1987: Erstes "Tiefkühlbaby" in Deutschland geboren

Stichtag

17. Februar 1987: Erstes "Tiefkühlbaby" in Deutschland geboren

Nicht fortpflanzungsfähig - das muss keine endgültige Diagnose sein. Eine Möglichkeit, sich den Kinderwunsch doch noch zu erfüllen, ist die Befruchtung im Reagenzglas. Mitte der 1980er Jahre gibt es rund 20 Kliniken in der Bundesrepublik, die dieses Verfahren anwenden. Die bekannteste ist die Universitäts-Frauenklinik in Erlangen, wo 1982 das erste deutsche Retortenbaby geboren wird.

Im Frühjahr 1986 will ein junges Paar aus Aschaffenburg die künstliche Befruchtung ausprobieren. Die Eileiter der Frau sind verklebt. Deshalb kann sie nicht auf natürlichem Weg schwanger werden. Zuerst muss die Patientin eine Hormonbehandlung über sich ergehen lassen. Auf diese Weise sollen sich mehrere Eizellen bilden. Die Behandlung ist erfolgreich: Zwei der so entstandenen Eizellen werden befruchtet und wieder in die Gebärmutter eingepflanzt. Vier weitere Eizellen werden eingefroren - in flüssigem Stickstoff bei minus 190 Grad Celsius. Kryo-Konservierung nennt sich diese Methode. Der behandelnde Arzt Jan van Uem und seine Kollegen betreten damit medizinisches Neuland. Denn bis zu diesem Zeitpunkt sind hauptsächlich Embryonen eingefroren worden, also bereits befruchtete Eizellen, die sich ein- oder zweimal geteilt haben. Diese Praxis ist aber umstritten, da sich aus dem Zellhaufen ein Mensch entwickeln kann. Das Einfrieren nicht befruchteter Eizellen hingegen ist aus Sicht von Reproduktionsmediziner van Uem kein ethisches Problem.

Unbefruchtete Eizellen werden auf Gendefekte untersucht

Als der Versuch mit den frischen Eizellen misslingt und die Patientin nicht schwanger wird, wagt sie mit den eingefrorenen Zellen einen neuen Anlauf. Nach ein paar Tagen ist klar: Eine aufgetaute und befruchtete Eizelle hat sich eingenistet. Die Schwangerschaft verläuft acht Monate problemlos. Als in der 38. Woche die Herztöne nicht mehr optimal sind, handeln die Ärzte: Am 17. Februar 1987 kommt das erste deutsche "Tiefkühl-Baby" per Kaiserschnitt zur Welt. Christine wiegt 2.100 Gramm. "Das Mädchen war vollkommen gesund", sagt Dr. van Uem rückblickend. Heute gehört die Kryo-Konservierung unbefruchteter Eizellen zur Standardmethode. Embryonen dürfen hingegen - seit das Embryonenschutzgesetz 1991 in Kraft getreten ist - nur noch in Ausnahmefällen eingefroren werden.

2005 sind in Deutschland rund 36.000 künstliche Befruchtungen durchgeführt worden. Etwa jeder sechste Versuch verläuft erfolgreich. Die Manipulation des Erbguts ist dabei genauso verboten wie die Selektion von Embryonen. Um das Risiko für genetische Krankheiten zur verringern, können jedoch die Eizellen vor der Befruchtung untersucht werden. Entdecken die Mediziner eine Abweichung, so wird die zugehörige Eizelle nicht befruchtet. Wie weit Analyse und Auswahl gehen dürfen, ist umstritten. In anderen europäischen Ländern ist die genetische Untersuchung des Embryos vor der Einpflanzung erlaubt. In Deutschland wird sie allerdings nicht durchgeführt. Bis heute prägen zwei Fragen die Diskussion. Erstens: Welche Analysen dürfen Ärzte an Eizelle, Spermium und Embryo durchführen? Und zweitens: Welchen Schutz genießt der Embryo?

Stand: 17.02.07