24. März 1897: Wilhelm Reich wird geboren

Stichtag

24. März 1897: Wilhelm Reich wird geboren

Wilhelm Reich ist seit über zehn Jahren tot, als ihn die 68er Bewegung für sich entdeckt und zum Guru der sexuellen Befreiung macht. Doch der österreichische Psychoanalytiker ist umstritten: Für manche ist er am Ende seines Lebens schlichtweg wahnsinnig geworden. Der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch verfasst 1973 eine Biografie mit dem Titel: "Das sexuelle Bollwerk - Sinn und Wahnsinn von Wilhelm Reich". Mulisch macht sich auf die Suche nach dem Bruch in Reichs Leben - und wird in dessen Kindheit fündig. Geboren wird Reich am 24. März 1897 im östereichischen Ostgalizien als wohlbehüteter Sohn jüdischer Gutsbesitzer in der k.u.k. Monarchie. Mit zwölf Jahren macht er eine Entdeckung, die für ihn zur Tragödie wird: Er überrascht seine Mutter beim Seitensprung mit dem Hauslehrer. Als Wilhelm seine Mutter verrät, bringt sie sich um. Daraufhin stellt sich sein Vater so lange in kaltes Wasser, bis er Tuberkulose bekommt und ebenfalls stirbt. Wilhelm bleibt mit seinen Schuldgefühlen allein zurück.

Mittellos geht Reich 1918 nach Wien und studiert Medizin. Bereits als 23-Jähriger wird er als Musterschüler von Sigmund Freud offiziell in dessen Kreis aufgenommen. 1922 schließt Reich sein Studium mit der Promotion ab. Er entwickelt aus Freuds Libido-Theorie seine Orgasmus-Theorie. Mit 27 Jahren wird Reich Direktor des Wiener Seminars für Psychoanalytische Therapie. Neben der Psychoanalyse interessiert er sich zunehmend für die sozialen Ursachen von psychischen Erkrankungen. Das Elend der Arbeitslosen politisiert ihn. Reich warnt vor dem Nationalsozialismus. 1933 erscheint seine Arbeit über die "Massenpsychologie des Faschismus", in der er belegt, dass auch die Arbeiterklasse für rechte Ideologie anfällig ist. Daraufhin wird er aus der KP ausgeschlossen. Gleichzeitig kommt es zum Bruch mit Freud, Reich wird aus dem Verband der Psychoanalytiker ausgeschlossen. Direkt nach der Machtübernahme durch die Nazis flieht er ins Exil. Erneut verliert Reich seine bisherige Existenz.

1939 landet Reich in den USA. Dort nimmt sein Forscherdrang neue und für viele seltsame Wege. Er will zum Beispiel die elektrische Natur des Orgasmus beweisen. Außerdem entdeckt er eine Energie, die er Orgon tauft. Zur Belustigung der ansässigen Bauern baut er eine Regenkanone, den "Cloud Buster", und beschießt damit die Wolken. 1940 entwickelt er den Orgon-Akkumulator - eine Holzkiste, in der angeblich Energie gebündelt wird. Damit will er Krebspatienten heilen. Das geht den amerikanischen Behörden zu weit. Seine Akkumulatoren werden zerschlagen, seine Schriften verbrannt. Er selbst landet wegen Missachtung des Gerichts im Gefängnis, wo er am 3. November 1957 stirbt.

Stand: 24.03.07