27. April 2007 - Vor 5 Jahren: Barbie-Erfinderin Ruth Handler gestorben

Stichtag

27. April 2007 - Vor 5 Jahren: Barbie-Erfinderin Ruth Handler gestorben

Im Sommer 1956 kommt Ruth Handler aus den USA nach Europa. Als die 1917 in Denver (Colorado) geborene Unternehmerstochter in Luzern vor einem Schaufenster steht, fällt ihr eine erwachsene Puppe namens Lilli mit üppigen Brüsten und einem kecken Pferdeschwanz ins Auge, die so gar nicht dem damaligen Babyschema der Spielzeugindustrie entspricht. Handler kauft drei Lillis. Eine schenkt sie ihrer Tochter Barbara (Barbie), die andere Sohn Ken. Die dritte bekommt der Designer ihrer Firma Mattel, die bisher mit Geschenkartikeln aus Plexiglas Umsatz macht. "Entwirf mir so eine Spielzeugpuppe", soll Handler gesagt haben. "Eine Puppe, für Kinder, mit solchem Busen?" lautete der Einwand des Designers. Trotzdem: Auf der New Yorker Spielzeugmesse 1959 kommt Matells Barbie Nummer eins auf den Markt. Im ersten Jahr verkauft Handler 351.000 Puppendamen.

Rosarote Glitzerwelt

Barbies Vorbild Lilli, das auf eine Comicfigur der "Bild"-Zeitung zurückgeht, hat eher national Erfolg. Ihre klinisch reine Nachfolgerin Barbie mit ihrem Freund Ken aber macht in ihrer perfekten Modewelt auch global Karriere. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich die Puppe jedem Zeitgeschmack anpasst: 1964 wird ihr eine Schönheitsoperation für Augen und Beine verpasst, 1967 erfolgt ein verjüngendes Facelifting, ein Jahr später kann Barbie erste Sätze sagen. "Was soll ich zum Abschlussball anziehen?" lautet einer von ihnen, "Möchtest du mit mir einkaufen gehen?" ein anderer.

Kritiker werfen Barbie vor, Konsumdenken und Oberflächlichkeit zu fördern. Handler sieht ihre Vinyl-Kreation vor allem als Instrument, um Mädchen das Erwachsenwerden zu erleichtern. Selbst die große Oberweite ihrer Puppe erfüllt ihrer Meinung nach diesen Zweck. Ihr selbst seien ihre Brüste in der Pubertät nämlich immer peinlich gewesen, gibt sie an. Überhaupt habe sich ihr ganzes Leben nur um "Brüste, Brüste, Brüste" gedreht, wird Ruth Handler später sagen. Nach einer Krebsdiagnose muss ihr eine Brust amputiert werden. Nachdem man ihr bei Mattel nahe gelegt hat, die Firma zu verlassen, gründet sie ein erfolgreiches Unternehmen für Brustprothesen. Handler stirbt am 27. April 2002 in Kalifornien.

Stand: 27.04.07