14. Oktober 2007 - Vor 190 Jahren: Hubert Underberg in Rheinberg geboren

Stichtag

14. Oktober 2007 - Vor 190 Jahren: Hubert Underberg in Rheinberg geboren

Einmal pro Woche steigt Hubertine Underberg-Ruder mit ihrer Tochter auf den Speicher. Die beiden tragen Werkkittel, eine Art Duschhaube und Mundschutz. Dort oben, am wohl geheimsten Ort in Rheinberg, mischen sie Kräuter zusammen, die aus 43 Ländern stammen, und setzen damit einen Sud an. Das Rezept gibt es nirgendwo schriftlich. Hubertine hat es von ihren Eltern gelernt. Außer der Präsidentin der Underberg-Holding und ihrer Tochter kennen es zur Sicherheit nur noch zwei Geistliche, darunter ein Benediktinerabt aus Meschede. Die Mitarbeiter der Firma wissen also nicht, was sie brauen, wenn sie täglich eine Million kleiner Fläschchen Magenbitter herstellen. Nur so viel ist klar: 49 Prozent der dunklen Flüssigkeit sind Alkohol.

Erfinder der Geheimniskrämerei ist Hubert Underberg. Sein Vater betreibt in Rheinberg eine Färberei, die Mutter einen Kolonialwarenladen. Hubert, am 14. Oktober 1817 geboren, wird Apotheker. In Holland lernt er den traditionellen Boonekamp kennen, eine Mischung von Genever und Kräutern. Underberg experimentiert so lange an einem eigenen Rezept, bis er an seinem Hochzeitstag 1846 ein eigenes Unternehmen für einen Schnaps gegen Magendrücken gründen kann. Underberg ist ein Pionier der Marken-Vermarktung. Er lässt sein Produkt beim Handelsgericht in Krefeld registrieren, um es gegen Fälscher zu sichern. Verkauft wird der Bitter in einer eigens kreierten Flasche, eingeschlagen in gelbem Strohpapier. Das Etikett wird von Underberg eigenhändig unterschrieben. Er garantiert: "Semper idem" - stets das Gleiche. Nur drei der zwölf Kinder Underbergs erfahren das wertvolle Geheimnis.

Schon der Firmengründer wird steinreich mit seiner Ein-Produkt-Firma. Der Magenbitter wird in alle Welt exportiert und darf - als Medizin - sogar während der Prohibition in den USA verkauft werden. In der Familie wird mancher Prozess um das streng geschützte Erbe ausgefochten. Während des Zweiten Weltkriegs muss die Produktion eingestellt werden, weil die Kräuter nicht aufzutreiben sind. Nach dem Krieg bringt Underberg die 20-Milliliter-Portionsflaschen auf den Markt. In den sechziger Jahren, als der Kräuterschnaps aus der Mode kommt, muss Underberg allerdings expandieren, um zu überleben. Heute stellt die Holding mit Sitz in der Schweiz auch Weinbrand, Sekt und einen brasilianischen Zuckerrohrschnaps her.

Stand: 14.10.07