05. Juli 2007 - Vor 75 Jahren: António de Oliveira Salazar wird Regierungschef

Stichtag

05. Juli 2007 - Vor 75 Jahren: António de Oliveira Salazar wird Regierungschef

Sie lächelt in die Kamera und bewahrt Fassung. Dennoch wirkt die Moderatorin des staatlichen Senders RTP peinlich berührt, als sie im März 2007 das Ergebnis ihrer Anruf-Show verkündet. Die Antwort auf die Frage: "Wer war der größte Portugiese aller Zeiten?", birgt Zündstoff. Mit 41 Prozent hat die Mehrheit der Anrufer António de Oliveira Salazar zu ihrem Favoriten gewählt. Ein Skandal, schimpft die kommunistische Politikerin Santech: "Die Verteidigung des Faschismus ist nach unserer Verfassung ausdrücklich verboten!" Der Staatssender gerät von allen Seiten unter Druck. Denn Salazar hat Portugal fast 40 Jahre als Diktator regiert - gestützt auf Unterdrückung, Gewalt und Willkür.

Geboren wird Salazar am 28. April 1889 als fünftes Kind einer reichen Bauernfamilie. Er studiert Theologie, wechselt aber kurz vor der Priesterweihe zur Volkswirtschaft. 1917 ist er Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. Unter Putsch-General  Oscar Carmona wird Salazar 1928 Finanzminister. Portugals Staatshaushalt ist zu diesem Zeitpunkt völlig ruiniert. In den vorausgegangenen 16 Jahren hat das Land 24 Revolutionen, 44 Regierungen, 500 Minister und 158 Generalstreiks erlebt. Salazar verlangt alle Vollmachten und setzt durch, dass das gesamte Kabinett seinem Finanzministerium unterstellt wird. Damit ist er der eigentliche Machthaber in Portugal. Es gelingt ihm in nur wenigen Jahren, den Staatshaushalt zu sanieren. Als Carmona Staatspräsident wird, rückt Salzar am 5. Juli 1932 als Ministerpräsident nach.

Salazar verkündet den "Estado Novo". Dieser "Neue Staat" ist erzkatholisch, patriarchal und autoritär. Die Presse wird zensiert, Streiks sind verboten, Oppositionelle werden ins Exil getrieben oder umgebracht. "Ich bin nicht für Gleichheit, sondern für Hierarchie", erklärt Salazar. "Das Volk braucht keine Souveränität. Es will regiert werden!" Tatsächlich aber wird es terrorisiert - mit Hilfe der Geheimpolizei PIDE. In der Außenpolitik unterstützt Salazar den spanischen Diktator Franco. Während des Zweiten Weltkrieges arrangiert sich Salazar sowohl mit Hitler als auch mit den Alliierten. Diesen stellt er in der zweiten Hälfte des Krieges die Azoren als Stützpunkt zur Verfügung. Die Strategie geht auf: 1949 wird Portugal Mitglied der Nato. Salazar bleibt bis zu seinem Gehirnschlag im August 1968 an der Macht. Knapp zwei Jahre später stirbt er am 27. Juli 1970 in Lissabon. Sein Regime überlebt noch bis zum 25. April 1974: An diesem Tag setzen aufständische Offiziere während der so genannten Nelkenrevolution Salazars Nachfolger, Marcello Caetano, ab.

Stand: 05.07.07