15. Oktober 2006 - Vor 75 Jahren: Gründung der Gitarrenfirma Rickenbacker

Stichtag

15. Oktober 2006 - Vor 75 Jahren: Gründung der Gitarrenfirma Rickenbacker

Die akustische Gitarre hat keine Chance mehr. In den wilden zwanziger Jahren ist die Unterhaltungsmusik immer lauter geworden. Big Bands sind angetreten, selbst die überfülltesten Hallen bis auf den letzten Platz zu beschallen. Bläser sind angesagt, selbst hochklassige Gitarristen werden arbeitslos. Musiker wie der Texaner George Beauchamps wollen sich das nicht gefallen lassen. Gemeinsam mit dem zugereisten Schweizer Adolf Rickenbacher, der sich in den USA in Rickenbacker umbenennt, sucht er nach Möglichkeiten, auch mit Gitarrensaiten Krach zu schlagen. Am 15. Oktober 1931 gründen beide zusammen in Los Angeles die Gitarrencompany Beauchamps and Rickenbacker. Ihr Ziel: eine funktionierende elektrische Gitarre.Die Idee hierzu hatten schon viele. Seit der Jahrhundertwende arbeiten Tüftler an der Erfindung. Aber die elektrische Gitarre mit magnetischen Pickups ist Rickenbackers Erfindung. Er nennt sie "Frying Pan", und wie eine Bratpfanne sieht ihr runder, sehr kleiner Körper mit dem langen, herausragenden Hals tatsächlich aus. Fast wäre es Rickenbacker und Beauchamps nicht gelungen, das Produkt als Patent anzumelden. Die zuständigen Beamten können es sich einfach nicht vorstellen, dass eine elektrische Gitarre mit ihrem Verstärker funktioniert. Mehrmals wird der Antrag abgelehnt. Patentiert wird die elektrische Gitarre erst, als der prominente Musiker Adolf Sol Hoopii nach Washington ins Patentamt kommt, um vor den Sachbearbeitern ein 15-minütiges Konzert zu geben.

Zunächst verkauft sich die Bratpfanne, die 1937 auf den Markt kommt, eher schleppend. Die Hawaii-Musik, für die sie konzipiert ist, ist out. "Wacht endlich auf, übt Solosachen und legt ein paar Mäuse für den Verstärker zurück", muss noch zwei Jahre später der schwarze Jazzgitarrist Charlie Christian seinen Kollegen ins Übungsheft schreiben. Richtig berühmt werden die Rickenbacker-Gitarren schließlich durch die Beatles. John Lennon hat schon sehr früh eine und George Harrison erscheint seine Rickenbacker nachgerade "sensationell". Ihre erste Rickenbacker kaufen die beiden Beatles noch auf Pump. "Und ich weiß nicht wirklich", sagt Harrison, "ob wir sie je abbezahlt haben". Vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, aber auch danach noch, sieht und hört man Rickenbacker-Gitarren und -Bässe überall: The Birds oder Pete Townshend von The Who, Tom Petty,R.E.M., Genesis  oder Motörhead, alle spielen Rickenbacker. Die Bratpfanne von einst in neuer Form hat längst Kultstatus erreicht. 

Stand: 15.10.06