14. Januar1926: Erster Auftritt Joséphine Bakers in Berlin

Stichtag

14. Januar1926: Erster Auftritt Joséphine Bakers in Berlin

Berlin ist außer Rand und Band. Im Nelson-Theater tritt eine Schwarze auf, die mit ihrer Komik und ihrer Erotik verzaubert. Mal kommt sie nur mit einer rosa Flamingofeder zwischen den Schenkeln bekleidet auf die Bühne, mal im Baströckchen oder im rosa Mullschurz. Joséphine Baker ist ihr Name, aufgewachsen ist sie in den Slums von Saint Louis. In Europa will sie ihr Glück versuchen, weil ihr die Heimat keine Chance gibt - zunächst in Paris, später in Berlin.Bakers energiereicher Tanz, erstmals am 14. Januar 1926 in der Reichshauptstadt zu sehen, passt zum pulsierenden, vom Jazz und Swing geprägten Leben der zwanziger Jahre. Berlin dankt es der Künstlerin: Wenn "die Baker" ein Lokal betritt, bricht die Musik ab und die Gäste stehen auf, um zu applaudieren. Der Dichter Kurt Tucholsky ist hingerissen, der berühmte Regisseur Max Reinhardt möchte sie an ihr Theater holen. Trotzdem kehrt Baker in die Seine-Metropole zurück. "Aber kaum war ich in Paris, wollte ich zurück nach Berlin. Und wenn ich wieder in Berlin war, sehnte ich mich nach Paris", wird sie später sagen, "Ich war immer hin- und hergerissen zwischen meinen beiden Lieben."

Mit Paris entscheidet sich Baker für die richtige Liebe. Denn im selben Jahr, als die Tänzerin am Kudamm Erfolge feiert, zieht Joseph Goebbels als Gauleiter der NSDAP in die Reichshauptstadt. Als Baker zwei Jahre später nach Berlin zurückkommt, ist die Lebenslust der einstmals flirrenden Großstadt tiefer Agonie gewichen. Ihr Auftritt im Bananenröckchen löst heftigste Empörung aus. Goebbels Störtrupps veranstalten während der Aufführung Pfeifkonzerte, die rechte Presse hetzt gegen die Tänzerin. Aus der "schwarzen Venus" der Boulevardpresse ist der "Halbaffe" der Hitler-Blätter geworden. Verwirrt und gekränkt geht Baker nach Paris zurück. Als deutsche Truppen einziehen, schließt sie sich der Résistance an. Sie arbeitet für den Geheimdienst und singt vor alliierten Truppen in Nordafrika.
Trotzdem: Gleich nach dem Krieg ist Baker die erste französische Künstlerin, die das zerstörte Berlin besucht. Trotz des Hasses ist sie auch ihrer anderen Liebe treu geblieben. Baker stirbt 1975 in Paris.


Stand: 14.01.06