21. Februar 1946: US-Präsident Truman genehmigt Hilfe für Deutschland

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21. Februar 1946: US-Präsident Truman genehmigt Hilfe für Deutschland

"Es muss den Deutschen klargemacht werden, dass Deutschlands rücksichtslose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben, und dass sie nicht der Verantwortung für das entgehen können, was sie selbst auf sich geladen haben." Das befiehlt die amerikanische Regierung ihren Soldaten. Der Befehl "JCS 1067" sieht vor, die deutsche Industrie zu schleifen. In der amerikanischen Politik gibt es in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach eine Strömung, die Deutschland zu einem Agrarland machen will. Am radikalsten verficht Finanzminister Henry Morgenthau dieses Ziel - nach ihm wird der Morgenthau-Plan benannt. Bald aber melden sich andere Stimmen, die Härte für eine riskante Strategie halten. Ihr Argument: Der strenge Friedensvertrag von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg habe Hitlers Aufstieg erleichtert.Der höchste amerikanische Soldat in Europa, Oberbefehlshaber Lucius Clay, macht sich Sorgen: "Deutschland verhungert, wenn es nicht für den Export produziert. Das Land muss auf Friedenswirtschaft umgestellt werden." Friedenswirtschaft? Trotz aller Verbrechen? Für die Amerikaner gibt es dafür einen Grund: "Ohne ein Deutschland, das sich selbst erhalten kann, lässt sich die Stabilität Europas nicht wiederherstellen, und ohne stabiles Europa ist ein dauerhafter Friede unmöglich." Deshalb rückt die  US-Regierung wenige Monate nach Ende des Krieges von ihrer Politik der Härte ab. Die Deutschen in den westlichen Zonen kommen nur dank ihrer geografischen Lage derart glimpflich davon.

Denn im Osten lauert aus amerikanischer Sicht eine neue Gefahr, wie Oberbefehlshaber Clay erklärt: "Da die Russen gleich nebenan 1.500 Kalorien als Tagesration bereitstellen, sage ich ohne Vorbehalt, ich kann nicht helfen, den Glauben an die Demokratie gegenüber dem Kommunismus aufrechtzuerhalten. Man liefert Deutschland dem Kommunismus aus." In dieser Situation schließen sich amerikanische Hilfsorganisationen zur "Cooperative for American Remittences to Europe" (CARE, gleichzeitig das englische Wort für "Fürsorge") zusammen, um Hilfspakete mit Lebensmitteln über den Atlantik an ihre ehemaligen Feinde zu schicken - die so genannten CARE-Pakete. Diese Aktion genehmigt US-Präsident Harry S. Truman am 21. Februar 1946. Ein gutes Jahr später verkündet er vor dem amerikanischen Kongress die so genannten Truman-Doktrin - sie wird ein grundlegender Bestandteil des Kalten Krieges: Jedes Land, das vom Kommunismus bedroht sei, werde von den USA unterstützt. Jede Nation müsse zwischen westlicher Demokratie und Kommunismus wählen.Stand: 21.02.06