22. August 1864: Genfer Konvention zur Behandlung Verwundeter

Stichtag

22. August 1864: Genfer Konvention zur Behandlung Verwundeter

"Der Anblick der Toten, die das Schlachtfeld immer dichter bedecken, ist furchtbar. Aber schlimmer noch ist es oft, die Leiden der Verwundeten mit ansehen zu müssen!" Am 24. Juni 1859 gerät der Genfer Geschäftsmann Henri Dunant durch einen Zufall in die Schlacht von Solferino südlich des Gardasees. Franzosen und Italiener kämpfen gegen Österreicher. Die wenigen Sanitäter sind völlig überfordert: 40.000 verletzte Soldaten. "Ihre Gesichter sind schwarz vor Fliegen, welche sich auf den offenen Wunden sammeln", schreibt Dunant in seinem Buch "Erinnerungen an Solferino". "Ihre Blicke schweifen verloren forschend nach allen Seiten, ohne eine Antwort zu erhalten." Dunant verbindet Verletzte und organisiert Hilfe. Die Bewohner der umliegenden Dörfer unterstützen ihn. Ein Aufruf erscheint in der Zeitung. "Tutti fratelli" - "alle sind Brüder" heißt die Losung. Jedem Verwundeten soll geholfen werden, egal auf welcher Seite er steht.Unter Dunant gründet sich in Genf das "Internationale Komitee zur Verwundetenhilfe". Es setzt sich zum Ziel, überall in der Welt Krankenpflegekorps zu gründen. Am 22. August 1864 unterschreiben die Delegierten aus 16 Ländern einen Vertrag mit dem Titel "Konvention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten der Armeen im Feld". In dieser ersten Genfer Konvention wird festgelegt, dass Lazarette, Sanitäter und Ambulanzen neutral sind und nicht angegriffen werden dürfen. Diese Einrichtungen und ihr Personal sollen mit einer umgekehrten Schweizer Fahne, einem roten Kreuz auf weißem Grund, gekennzeichnet werden. Der Name der Organisation ändert sich in "Internationales Komitee vom Roten Kreuz" (IKRK).

Ende des 19. Jahrhunderts wird die Genfer Konvention auch auf den Seekrieg angewendet und nach dem Ersten Weltkrieg auf den Luftkrieg ausgeweitet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges werden 1949 vier Genfer Abkommen unterzeichnet, die die Behandlung verwundeter Soldaten, von Kriegsgefangenen und von Zivilpersonen regeln. 1977 kommen zwei Zusatzprotokolle hinzu, die bürgerkriegsähnliche Zustände reglementieren. 190 Staaten haben die Genfer Konventionen unterzeichnet. Was allerdings nichts über die tatsächliche Einhaltung der darin festgesetzten Regel in der Kriegsrealität aussagt.Stand: 22.08.04