18. Februar 2006 - Vor 25 Jahren: Tornado-Untersuchungsausschuss tagt erstmals

Stichtag

18. Februar 2006 - Vor 25 Jahren: Tornado-Untersuchungsausschuss tagt erstmals

Als Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) 1978 die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Hans Apel (SPD) übergibt, soll er gesagt haben: "Hans, es ist alles für dich geregelt. Ich habe schon alle notwendigen Waffen bestellt, du brauchst sie nur noch zu bezahlen." Zu diesen Rüstungsgütern gehört das Kampfflugzeug Tornado, ein britisch-deutsch-italienisches Gemeinschaftsprojekt - vor der Taufe "Multi Role Combat Aircraft" ( MRCA) genannt. Ende der 60-er Jahre ist Preis für den Tornado mit 15 Millionen Mark pro Stück angesetzt worden. Anfang der 80-er Jahre ist plötzlich von 60 bis 70 Millionen Mark die Rede. Die  CDU-Opposition schäumt und verlangt einen Untersuchungsausschuss. Die erste Sitzung findet am 18. Februar 1981 statt.Von der Preisexplosion will niemand etwas geahnt haben. Jürgen Pöppelmann vom Rüstungs-Fachblatt "Wehrtechnik" glaubt das nicht: "Nie wird ein Waffensystem zu dem Preis geliefert werden können, wie man es sich vorgestellt hat. Wenn Sie sich heute ein Auto kaufen wollen, es aber erst in zehn Jahren haben, kriegen Sie keinen Preis garantiert." So wird über Jahre mit einem viel zu niedrigen Phantasiepreis gerechnet. Aber weder Politik noch Rüstungsindustrie sind sonderlich daran interessiert, die realen Kosten zu nennen, so Pöppelmann.

"Zwei Pechvögel ziehen derzeit über Bonn ihre Kreise: Hans Apel heißt der eine, Tornado der andere", kommentiert damals Friedrich Nowottny im "Bericht aus Bonn". Doch Apel bleibt einstweilen im Amt und die Bundeswehr bekommt ihren teuren Tornado. Für andere Beschaffungsprojekte bleibt kaum Geld übrig. In seinen 20 Sitzungen hat der Tornado-Untersuchungsausschuss vor allem eine Menge Papier produziert: 5.000 Seiten stark sind die Ausschuss-Protokolle. Erkenntnisgewinn: null. "Es wurden nur bekannte Positionen wiederholt", kritisiert Rüstungsexperte Pöppelmann. Schon wenige Jahre später das gleiche Theater beim Jäger 90. Wieder stellt sich heraus: Der Nachfolger des Tornado wird viel teurer als ursprünglich geplant. Und wieder beklagt sich die Opposition. Diesmal sind es SPD und Grüne. Anstelle des Jäger 90 soll schließlich eine abgespeckte Version gebaut werden, der Eurofigther. Schnell ist klar, dass er ebenfalls teurer wird als vorgesehen: 100 Millionen Euro pro Stück. Dreimal soviel wie der Tornado.

Stand: 18.02.06