01. Mai 2006 - Vor 220 Jahren: Uraufführung der "Hochzeit des Figaro"

Stichtag

01. Mai 2006 - Vor 220 Jahren: Uraufführung der "Hochzeit des Figaro"

Seit fünf Jahren lebt Wolfgang Mozart in Wien, ist erfolgreicher Pianist und Musiklehrer, aber eine große Oper für das kaiserliche Theater durfte er bisher nicht schreiben. Das ist die Domäne von Hofkapellmeister Salieri. Als Mozart es dennoch versuchen will, sucht er sich ausgerechnet eine Vorlage aus, die von der kaiserlichen Zensur verboten ist: Das Theaterstück "Der tolle Tag oder: Die Hochzeit des Figaro" brachte schon in Paris König Ludwig XIV. auf, weil der Schriftsteller de Beaumarchais darin mit scharfer Satire den Adel kritisiert. Der Böse des Stücks ist der Graf Almaviva, der das "Recht der ersten Nacht" mit der schönen Susanna fordert. Die will nämlich sein aufmüpfiger Kammerdiener Figaro heiraten - und das Liebespaar trickst den Grafen am Ende erfolgreich aus.Mozart lässt das Stück von Abbate da Ponte zu einem Libretto verarbeiten. Da Ponte ist eine schillernde Gestalt: Sohn jüdischer Eltern aus Venedig, dort Priester geworden, wegen der Affäre mit einer verheirateten Frau aber geflohen. In Wien schreibt er auch die Texte der Salieri-Opern. Ihm gelingt es, den Kaiser für "Le Nozze di Figaro" zu gewinnen, indem er dem Stück die politische Schärfe nimmt. Mozart darf schließlich sogar ein eigentlich verbotenes Ballett in der Oper platzieren. Als die Hofzensoren dagegen vorgehen, lässt er den Tanz stumm, ohne Musik aufführen. Der Kaiser, bei der Probe anwesend, ist irritiert - und erlaubt die Szene.

Mozart komponiert die Oper in sechs Wochen. Die Ouvertüre wird zwei Tage vor der Uraufführung fertig. So hat das Orchester kaum Zeit zum Proben der schwierigen Partitur. Mozart dirigiert selbst, und als erstmals die Arie des Figaro erklingt, applaudiert das Orchester minutenlang. Die Uraufführung am 1. Mai 1786 erntet nicht nur Zustimmung. Allerdings seien die zischenden Zuschauer auf den hinteren Rängen von Mozarts Gegnern in der Stadt bezahlt worden, berichtet die "Wiener Realzeitung". Nach sieben Aufführungen wird die Oper wieder abgesetzt - vergleichsweise ein Flop. Im Winter kommt "Figaro" in Prag auf die Bühne. Hier ist das bürgerlichere Publikum so begeistert, dass es den Komponisten in die Stadt einlädt und ihn wochenlang feiert.

Stand: 01.05.06