28. Oktober 2006 - Vor 120 Jahren: Die Freiheitsstatue von New York wird eingeweiht

Stichtag

28. Oktober 2006 - Vor 120 Jahren: Die Freiheitsstatue von New York wird eingeweiht

Sie ist eine 46 Meter hohe Riesin. Mit Sockel erreicht sie sogar eine Höhe von 102 Metern. Ihre siebenstrahlige Krone ist begehbar und bietet Platz für eine Aussichtsplattform. Den rechten Arm mit einer von innen beleuchteten Fackel in den Himmel gereckt, zählt sie zu den nationalen Symbolen der USA: die Freiheitsstatue auf Liberty Island im Hafen von New York. "Miss Liberty" im kupfernen Mantel wird seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 streng bewacht und ist nur noch begrenzt zugänglich. Kritikern gilt das Monument als Sinnbild des amerikanischen Größenwahns. Dabei ist die gigantische Skulptur ein Geschenk aus Frankreich: Die Eisenkonstruktion wurde in Paris gefertigt - unter anderem nach Entwürfen von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eiffelturms.Die Idee zur Freiheitsstatue entsteht 1865 in einem Gespräch zwischen Rechtsprofessor Edouard de Laboulaye und Bildhauer Frédéric-Auguste Bartholdi. Laboulaye erinnert an die USA, die zusammen mit Frankreich für die gemeinsamen Grundsätze der Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft hätten: "Wenn in Amerika zur Erinnerung an seine Unabhängigkeit ein Denkmal gebaut werden sollte, dann wäre es für mich nur natürlich, dass es als gemeinsames Werk beider Nationen errichtet würde." Fünf Jahre später entschließt sich Bartholdi, ein der Freiheit gewidmetes Standbild zu schaffen. Doch im Gegensatz zu Eugène Delacroix' Darstellung der Freiheit als vorwärts stürmende Barbusige mit hochgereckter Trikolore, roter Mütze und Gewehr in der Hand hat Laboulayes Vorstellung von Freiheit "nichts Revolutionäres an sich". Die beiden konservativen Republikaner Laboulaye und Bartholdi bevorzugen eine in Gewänder gehüllte weibliche Gestalt mit ruhiger Haltung - ohne die rote, so genannte phrygische Mütze, einem Symbol der Französischen Revolution.

Ursprünglich soll die Statue 1876 zur Hundertjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit übergeben werden. Doch der Zeitplan ist unrealistisch. Immerhin gelingt es, zu diesem Datum die Hand mit der Fackel zu fertigen und sie an der Weltausstellung in Philadelphia zu zeigen. Für die Fertigstellung sammelt die eigens gebildete Französisch-Amerikanische Union Gelder. Zehn Jahre später ist es soweit: Am 28.10.1886 wird die Freiheitsstatue eingeweiht. Sie ist mit das erste, was die Einwanderer, die zu tausenden mit dem Schiff nach New York kommen, von der Stadt sehen. "Lasst eure Müden und Armen zu mir kommen", steht auf der Bronzetafel am Sockel des Denkmals. Die Dichterin Emma Lazarus hat die Zeilen bereits 1883 verfasst. Aber sie werden erst 1903 angebracht, zu einer Zeit, als die vielen Zuwanderer längst nicht mehr uneingeschränkt willkommen sind.

Stand: 28.10.06