30. Mai 2006 - Vor 575 Jahren: Jeanne d'Arc in Rouen hingerichtet

Stichtag

30. Mai 2006 - Vor 575 Jahren: Jeanne d'Arc in Rouen hingerichtet

Mit zwölf Jahren hört sie erstmals eine innere Stimme. Gott fordert sie auf, Frankreich zu retten und König Karl auf den Thron zu helfen. Jeanne, 1412 als Tochter wohlhabender Bauern in Domrémy geboren, gelobt, dem Ruf zu folgen und Jungfrau zu bleiben. Sie nennt sich Jeanne la Pucelle  (Johanna, die Jungfrau) und zieht zu Karls Hof. Der ist noch nicht König, weil die Engländer weite Teile des Landes besetzt halten und der britische Monarch Heinrich VI. Anspruch auch auf den Thron in Paris erhebt.Karl empfängt Jeanne und erlaubt ihr, in Männerkleidern und mit der Standarte in der Hand seine Truppen zu führen. Am 8. Mai 1429 schlagen die französischen Soldaten, von der jungen Frau angeführt, die Engländer bei Orleans und am 8. Juni bei Patay. Von der Siegesstimmung getragen, lässt sich Karl VII. zum König krönen. Für Jeanne ist das erst der Beginn des Befreiungskrieges. Aber Karl ist mit dem Erreichten zufrieden. Er erhebt die Familie Jeannes in den Adelsstand und wartet ab. Jeanne gerät militärisch in die Defensive: Der Herzog von Burgund greift als Verbündeter des englischen Königs in die Kämpfe ein. Am 24. Mai 1430 gerät die Jungfrau von Orleans bei Compiégne in seine Gefangenschaft. Schlimmer noch: Der Sieger verkauft sie an die Engländer.

Als Ketzerin verurteilt, als Heilige verehrt

Die Engländer taktieren klug: Sie wollen keine Heldin schaffen, sondern den Mythos Jeanne la Pucelle vernichten. Sie überstellen die kriegerische Prophetin an ein Inquisitions-Tribunal der Kirche und klagen sie der Ketzerei an. Alles soll seine rechtliche Ordnung haben und nicht nach einem Mord am Feind aussehen. Also erstellt die Pariser Universität ein Gutachten. Die Inquisitoren des Bischofs Pierre Conchon verhören Jeanne wochenlang. Erst widerruft sie unter dem Druck, dann widerruft sie ihren Widerruf. Also wird sie als Ketzerin verurteilt: Ihre Berufung auf Gott sei Teufelszeug. Mit dem weiteren blutigen Vorgehen will die Kirche nichts zu tun haben und überstellt die Verurteilte der Staatsgewalt.

Karl, der ihr den Thron verdankt, rührt während dessen keine Hand. Denn Jeannes Leidenschaft ist längst eine Gefahr für seine Realpolitik geworden. So wird Jeanne d'Arc am Morgen des 30. Mai 1431 auf einem Karren zum Marktplatz von Rouen gefahren, bekleidet mit einem Nesselhemd und einer Mütze, auf der zu lesen steht: "Ketzerin, Abtrünnige, Götzendienerin". Die Menge auf dem Marktplatz murrt dennoch laut gegen die Hinrichtung. 800 Soldaten sind postiert, um sie in Schach zu halten. Die Jungfrau von Orleans wird bei lebendigem Leib verbrannt. Nach ihrem Tod ist sich die Kirche ihres Urteils nicht mehr sicher: In einem Revisionsverfahren wird das Inquisitionsurteil 1456 wieder aufgehoben. Im 19. Jahrhundert dann wird Jeanne zu einer Heldin des politischen Katholizismus in Frankreich - gegen die liberale Trennung von Kirche und Staat. 1920 wird Jeanne d'Arc in Rom heilig gesprochen und zur Patronin Frankreichs erklärt.

Stand: 30.05.06