30. Juli 2004 - Vor 25 Jahren: "Cap Anamur" gechartert

Stichtag

30. Juli 2004 - Vor 25 Jahren: "Cap Anamur" gechartert

Ausgemergelte Menschen auf kleinen Booten, den Angriffen von Wind, Wellen und Piraten ausgesetzt - dieses Bild flimmert Ende der 70er Jahre immer öfter in deutsche Wohnzimmer. Tausende Vietnamesen fliehen aus ihrem Land. Nach dem Sieg des kommunistischen Nordens über den Süden Vietnams 1975 fürchten sie die Umerziehungs- und Arbeitslager des neuen Regimes. Fluchtweg der "Boat People" ist das südchinesische Meer, ihr Ziel sind Inseln, die zu Malaysia oder Indonesien gehören. Doch viele kommen nie an, sondern sterben, weil ihnen die Vorräte ausgehen, die oft überladenen Boote kentern, oder weil sie Opfer von Piraten werden.Der Kölner Journalist Rupert Neudeck mag das Elend nicht mehr tatenlos im Fernsehsessel verfolgen. Angeregt von einer französischen Initiative, startet er in der Bundesrepublik die Aktion "Ein Schiff für Vietnam". Schnell findet er Unterstützer, von Heinrich Böll bis zum konservativen Journalisten Matthias Walden. In wenigen Wochen sammelt Neudeck für seinen Plan mehr als eine Million Mark. Am 30. Juli 1979 kann er dann endlich (s)ein Schiff chartern - den 118 Meter langen Frachter "Cap Anamur". Maximal 3.000 Flüchtlinge soll das Schiff aufnehmen können. Doch vor der Aufnahme der ersten Boat People wird das Schiff von der indonesischen Marine geentert. Mit Rückendeckung der Bundesregierung, die eine Aufnahme aller durch das Schiff geborgenen Flüchtlinge garantiert, wird die Cap Anamur doch noch zur Rettung für mehr als 10.000 Vietnamesen.

Inzwischen ist die erste Cap Anamur nicht mehr in Diensten der Hilfsorganisation, die sich jetzt "Komitee Cap Anamur, Deutsche Not-Ärzte" nennt und Projekte in vielen Krisenregionen der Welt betreut. Gründer Rupert Neudeck hat sich vor rund zwei Jahren aus der Organisation zurückgezogen. Neuer Leiter ist seitdem der Journalist Elias Bierdel. Aufsehen erregt hat Cap Anamur jüngst, als ein Schiff mit 37 im Mittelmeer an Bord genommenen Afrikanern erst nach tagelangem Tauziehen in einen italienischen Hafen einlaufen durfte. Die italienischen Behörden nahmen danach Bierdel sowie den Kapitän und den ersten Offizier des Schiffes kurzzeitig in Haft.

Stand: 30.07.04