10. Oktober 2006 - Vor 25 Jahren: Friedensdemonstration in Bonn

Stichtag

10. Oktober 2006 - Vor 25 Jahren: Friedensdemonstration in Bonn

Im Kalten Krieg zieht sich der Eiserne Vorhang mitten durch Deutschland. Die Nato und der Warschauer Pakt bedrohen sich gegenseitig mit Atomraketen. Die Sowjetunion hat SS-20-Raketen mit atomaren Sprengköpfen auf Europa gerichtet. Der Westen droht mit der so genannten Nachrüstung. Doch auf der Straße formiert sich Widerstand gegen diese Politik. Immer mehr Menschen haben Angst vor dem Rüstungswettlauf. Am 10. Oktober 1981 kommen rund 300.000 Demonstranten aus der ganzen Bundesrepublik in die damalige Bundeshaupt Bonn. Die meisten Geschäfte in der Innenstadt sind geschlossen, Schaufenster vorsorglich mit Brettern vernagelt. Doch der Protestzug bleibt friedlich. Die Demonstranten tragen Transparente mit lila Friedenstauben und Palästinensertücher. Ganze Schulklassen sind dabei und Ältere, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben. Christen, Grüne, Pazifisten, Sozialisten und Gewerkschafter sind sich einig: Sie wollen keine neuen Atomwaffen in Europa.

Die etablierte Politik wirft den Demonstranten Einseitigkeit vor: Die Sowjetunion bleibe im Demonstrationsaufruf ungeschoren, behauptet Friedrich Zimmermann (CSU). Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) erklärt: "Ich lasse mir den Begriff Friedenspolitik von niemandem abhandeln." Er befürwortet den Nato-Doppelbeschluss: Bauen die Sowjets ihre Atomraketen nicht ab, will die Nato ihre mit Atomsprengköpfen bestückte "Pershing II" und "Cruise Missiles" in Stellung bringen.

Bei der Kundgebung der Friedensbewegung im Bonner Hofgarten kritisiert das prominente SPD-Mitglied Erhard Eppler seinen Kanzler: "Es kann doch kein Naturgesetz sein, dass Ost und West in gleicher Weise die eigene Rüstung immer als unvermeidliche Nachrüstung deklarieren." Petra Kelly von den Grünen fordert den Rücktritt des Bundeskanzlers und wünscht sich Eppler als dessen Nachfolger. Neben Heinrich Böll, Pfarrer Heinrich Albertz und Uta Ranke-Heinemann sprechen auch Gäste aus den USA und den Niederlanden, Generäle und Friedensforscher. Harry Belafonte singt Friedenslieder. Nach über fünf Stunden ist die Kundgebung zu Ende. Zwei Jahre später werden in der Bundesrepublik Atomraketen der Nato stationiert. Sechs Jahre später einigen sich der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan auf die Null-Lösung: Die Abrüstung aller atomaren Waffen in Europa.

Stand: 10.10.06