29. März 2006 - Vor 35 Jahren: Charles Manson wird zum Tode verurteilt

Stichtag

29. März 2006 - Vor 35 Jahren: Charles Manson wird zum Tode verurteilt

Wäre die Geschichte nur ein klein wenig anders verlaufen, hätte aus  Charles Manson vielleicht ein Popstar oder Country-Musiker werden können. Das jedenfalls glaubt Dennis Wilson von den berühmten "Beach Boys", der eine Zeit lang in Mansons Hippie-Kommune unterkommt. Wilson macht Manson mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt. Aber der hat nur Hohn und Spott übrig für dessen Sanges- und Gitarrenkünste. Auch wenn es Mansons Song "Never learned not to love" 1969 auf die B-Seite einer Beach-Boys-Single schafft, ist seine Karrierehoffnung für immer dahin. Hätte Melcher Manson nicht verspottet, meinen viele Psychologen heute, wären Polanskis Ehefrau Sharon Tate und ihre Freunde noch am Leben.Manson wird 1934 als Kind einer 16 Jahre alten alkoholabhängigen Prostituierten in Cincinatti (Ohio) geboren. Nachdem seine Mutter wegen Autodiebstahls ins Gefängnis kommt, wird er unter anderem von seinem Onkel streng religiös erzogen. Seine Jugend verbringt er in Erziehungsheimen, kommt mehrmals wegen Diebstahls, Vergewaltigung und Zuhälterei in Haft. Im Gefängnis, wo ihn Mitgefangene misshandeln, lernt er malen und Gitarre spielen. Wieder draußen gründet er mit 20 jungen Mädchen zwischen 18 und 24 Jahren, die ihn als Heiland verehren, die sektenartige "Manson Family". Um deren Drogenkonsum zu finanzieren, holt er immer wieder reiche Männer ins Haus. 1969 schickt Manson die Frauen als Racheengel in Terry Melchers Villa am Ciello Drive. Aber der hat das Haus längst an Polanski weitervermietet.Polanski selbst ist nicht daheim, aber Tate feiert mit einigen Freunden eine Party. Alle Gäste werden auf bestialische Weise mit Küchenmessern niedergemetzelt oder zu Tode stranguliert. Mit dem Blut Tates schreiben die Mörderinnen "Pig" an die Haustür. Einen Tag später, bei einer weiteren Mordorgie, kritzeln sie auf die gleiche Weise "Helter Skelter" nach einem Lied der Beatles auf dem legendären "Weißen Album" an die Kühlschranktür. Später wird Manson sagen, aus dem Beatlestext diabolische Botschaften und den Aufruf zur Vergeltung herausgehört zu haben. Bis zum Schluss glauben die Mörderinnen an die Gerechtigkeit ihres Tuns und nehmen ihren Anstifter in Schutz. "Wir waren im Krieg mit diesem System", sagt Family-Mitglied Sandra Good. Und: "Wir töteten mit Genuss." Noch 1975 wird ein Mitglied der Family versuchen, US-Präsident Gerald Ford zu ermorden.

Obwohl er keinen Mord selbst begangen hat, wird Manson im Oktober 1969 festgenommen und zwei Jahre später, am 29. März 1971, gemeinsam mit dem Rest seiner Family zum Tode verurteilt. Nach Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien wird das Urteil in lebenslänglich umgewandelt. Bis heute sitzt er im Staatsgefängnis Corcoran (Kalifornien) ein. Und noch immer lebt der Kult um ihn. Nicht zuletzt in der Gestalt Marilyn Mansons, der sich nach ihm und Marilyn Monroe als zwei Extremen der amerikanischen Kult-Kultur benennt.Stand: 29.03.06