18. August 1966: Mao Zedong empfängt die Roten Garden

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18. August 1966: Mao Zedong empfängt die Roten Garden

Peking, 18. August 1966: Auf dem Platz des Himmlischen Friedens empfängt der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong, eine Million so genannter Rotgardisten. Die Schüler und Studenten tragen Uniformen der Volksbefreiungsarmee und eine Armbinde mit den Schriftzeichen: Rote Garde. Mao beauftragt die Jugend Chinas, die so genannte Kulturrevolution voranzutreiben. Bis Mitte November 1966 nimmt er regelmäßig Paraden der Roten Garden ab. Über zehn Millionen Jugendliche reisen kostenlos aus dem ganzen Land nach Peking. Mao gibt ihnen die Anweisung, die "vier alten Dinge" zu bekämpfen: alte Kultur, alte Gedanken, alte Gebräuche und alte Gewohnheiten. Der Vorsitzende ermutigt sie, die Feinde des Kommunismus ausfindig zu machen, sie zu beseitigen und eine neue Gesellschaft aufzubauen. Der politische Hintergrund dieser Kampagne: Mao hat in der Partei und der Regierung an Macht verloren und geht zum Gegenangriff über. Ein lancierter Zeitungsartikel gibt ihm Anfang 1966 den Vorwand für eine innerparteiliche Säuberung. Im Mai gründet Mao dann die Zentrale Gruppe Kulturrevolution und ein Sondertribunal, das die Umsetzung überwachen soll. Mao will die Alleinherrschaft, die Kulturrevolution soll seine Gegner mundtot machen.

Die Roten Garden setzen Maos Willen kompromisslos um. Einen Monat, nachdem sie ihre Arbeit aufgenommen haben, gibt es eine erste Bilanz: Allein in Peking wurden 1.700 Menschen getötet. 77.000 Einwohner sind aus der Hauptstadt vertrieben und 33.700 Wohnungen durchsucht worden. Ein falsches Buch im Regal, eine bunte Haarspange oder ein klassisches Sprichwort kann als Verrat an der Revolution ausgelegt werden. Die tägliche, oft stundenlange Lektüre der kleinen Mao-Bibel ist Pflicht. Vermeintliche Gegner werden bei öffentlichen Veranstaltungen gedemütigt und gequält. Die Massenbewegung ergreift das ganze Land. Die Roten Garden geraten außer Kontrolle. China versinkt im Bürgerkrieg.

Zwei Jahre nach Beginn der Kulturrevolution übernimmt die Armee als einzig funktionierende Organisation in vielen Bereichen die Macht. Im Juli 1968 gibt die Parteiführung eine neue Phase der Kulturrevolution bekannt. Die Rotgardisten sollen ihre Gesinnung auf dem Land verbreiten. Wahrer revolutionärer Eifer offenbare sich beim Schweinestall ausmisten oder Latrinen leeren. Rund 14 bis 16 Millionen Jugendliche werden aus den Städten zwangsumgesiedelt und aufs Land geschickt. Im April 1969 tritt unter Geheimhaltung der neunte Parteitag der Kommunistischen Partei zusammen und stellt die Kulturrevolution stillschweigend ein. Ab diesem Zeitpunkt wird von ihr nur noch in der Vergangenheit gesprochen. Als Mao am 9. September 1976 stirbt, ist die Kulturrevolution endgültig beendet.

Stand: 18.08.06