27. Mai 2006 - Vor 75 Jahren: Erster Ballonflug in die Stratosphäre

Stichtag

27. Mai 2006 - Vor 75 Jahren: Erster Ballonflug in die Stratosphäre

Auguste Piccard, 1884 am Genfer See geboren, begeistert sich schon als Kind für die Luftschifffahrt. Als Ingenieur und Physikprofessor in Brüssel macht er den Ballonführerschein und beginnt, die Atmosphäre von einer Gondel aus zu erforschen. Aber Piccard will höher hinaus: Um kosmische Strahlung aus dem All messen zu können, möchte er bis in die Stratosphäre aufsteigen. Dazu konstruiert Piccard eine Überdruckkammer, eine luftdicht abschließbare und mit Sauerstoff gefüllte Metallgondel. Sie hat nur 2,10 Meter Durchmesser und acht handtellergroße Fenster. Die belgische Forschungsförderung finanziert das Unternehmen des Schweizers, eine Lütticher Firma baut die Kabine, eine Augsburger Fabrik stellt den riesigen Wasserstoffballon her. Aber ein erster Startversuch in Augsburg im September 1930 misslingt: Die Gondel stürzt bei starkem Wind vom Transporter und wird beschädigt. Die Presse spottet: "Schneider von Ulm", "Don Quichotte der Lüfte."Im Frühjahr 1931 startet Piccard zusammen mit seinem Assistenten Paul Kipfer einen zweiten Versuch. Aber auch an diesem 27. Mai ist das Wetter entgegen der Vorhersage böig. Der Ballon wird auf das Fabrikdach gedrückt und reißt sich zu früh los. Piccard kann gerade noch die Luke schließen, dann schießt der Ballon innerhalb einer halben Stunde in eine Höhe von 15.781 Metern. Weltrekord! Aber beim Start hat sich das Seil verklemmt, mit dem Piccard ein Ventil bedienen wollte, um Wasserstoff abzulassen und wieder zu sinken. So müssen die Ballonfahrer warten, bis ihr Gefährt in der Nacht von selbst sinkt, weil das Gas in der Kälte schwerer wird. Er landet mit seinem Begleiter auf einem Tiroler Gletscher, 2.800 Meter hoch. Am Morgen steigen beide in das Dorf Obergurgel ab. Jetzt heißt Piccard in der Presse "Kolumbus der Stratosphäre".

Im August 1932 erreicht Piccard bei einem erneuten Versuch 16.000 Meter. Sein Bruder Jean steigt 1934 noch tausend Meter höher auf. Dann zieht es Piccard in die Tiefe. Er baut seine Überdruckgondel um zu einem Tiefseetauchboot. Mit seinem Sohn Jacques taucht er 1953 vor der Küste Italiens 3.000 Meter weit ab. Jacques erreicht 1960 sogar den Grund des Marianengrabens im Pazifik, 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel, den tiefsten Punkt der Erde. Sein Vater stirbt 1962 in Lausanne. Auguste Piccards Enkel Bertrand umrundet 1999 zusammen mit Brian Jones erstmals die Erde in einem Ballon.

Stand: 27.05.06