19. April 2005 - Vor 10 Jahren: Bombenanschlag in Oklahoma City

Stichtag

19. April 2005 - Vor 10 Jahren: Bombenanschlag in Oklahoma City

Es ist kurz nach neun Uhr, als am 19. April 1995 eine gewaltige Explosion das Zentrum von Oklahoma City erschüttert. Der Boden bebt auch noch in mehreren Kilometern Entfernung spürbar. Das Alfred Murrah-Building, ein großer Bürokomplex, wird regelrecht zerfetzt, 853 Menschen werden verletzt. In den Trümmern des Gebäudes sterben 168 Menschen, darunter 19 Kinder. Denn die Zwei-Tonnen-Bombe, die in einem abgestellten Lieferwagen explodiert, zerstört auch den Kindergarten im Erdgeschoss. Die Bilder schockieren die Menschen in den USA: Plötzlich sehen sie im eigenen Land, was sie sonst nur aus Beirut, Sarajewo oder Grozny kennen.Der erste Verdacht richtet sich sofort gegen arabische Terroristen. Aber nur 48 Stunden später folgt ein neuer Schock: Als Täter wird ein Amerikaner verhaftet, ein ehemaliger Sergeant der US-Armee und hochdekorierter Golfkriegs-Veteran. Der Terror ist nicht nur im Land angekommen, er kommt auch aus dem eigenen Land! Timothy McVeigh bekennt sich in seinem Prozess zu dem Anschlag. Er wollte die Bundesregierung treffen, die in dem Gebäude mit Büros des FBI, des Geheimdienstes und der Umweltbehörde vertreten war. McVeigh hasst die Regierung. Er ist Mitglied einer rechtsradikalen Miliz, die ganz legal ihre Übungen durchführt. Der Waffennarr pilgert zu Waffenmessen im ganzen Land und sammelt rechte Propaganda. Den Anschlag versteht er als Rache: Am 19. April 1993 stürmten Bundespolizisten eine Farm der militanten Davidianersekte, einer bis an die Zähne bewaffneten faschistisch-apokalyptischen Gruppe. 80 Menschen starben bei dem Gefecht. McVeigh zündet seine Sprengladung am zweiten Jahrestag. Die Kinder unter seinen Opfern bezeichnet er vor Gericht mit dem militärischen Fachausdruck als "Kollateralschäden."

McVeigh plädiert selbst für seine Hinrichtung, zu der er im Juni 1997 verurteilt wird. Sein Mitwisser erhält eine lebenslange Freiheitsstrafe. Hinweise auf mögliche Hintermänner bleiben unaufgeklärt. Am 11. Juni 2001 wird McVeigh durch eine Giftspritze getötet. Die von ihm gewünschte Fernsehübertragung der Hinrichtung findet nicht statt. Genau drei Monate nach seinem Tod stellt der Anschlag vom 11. September seine Tat in den Schatten. Diesmal waren es tatsächlich Islamisten. Im Krieg gegen den Terror gerät die Gefahr von innen wieder aus dem Blick. Im Tulsa/Oklahoma findet bis heute jährlich die "Tulsa Arms Show" statt, die größte Waffenbörse der Welt.


Stand: 19.04.05