17. Oktober 2005 - Vor 300 Jahren: Ninon de Lenclos stirbt

Stichtag

17. Oktober 2005 - Vor 300 Jahren: Ninon de Lenclos stirbt

"Ninon, die beinahe ein ganzes Jahrhundert der Liebe gedient hat, beschloss nun endlich ihre Tage. Sie war zugleich die Ehre und die Schande ihres Geschlechts", schreibt Abbé de Châteauneuf. Sie sei "ihren Freunden gegenüber treu und klug, zu ihren Liebhabern zärtlich und flatterhaft" gewesen. Als die französische Kurtisane Ninon de Lenclos am 17. Oktober 1705 stirbt, herrscht aufrichtige Trauer in Paris. Ob Mademoiselle de Lenclos 85 oder 90 Jahre alt geworden ist, ist ungeklärt. Ihren letzten Verehrer soll sie an ihrem 80. Geburtstag beglückt haben.Ninon de Lenclos ist eine der herausragendsten Frauen des 17. Jahrhunderts: klug, gebildet, selbstbewusst und eigenwillig. Ihr Vater, ein kleiner Adeliger aus der Provinz, hat sein einziges Kind auf den Geschmack der Freiheit gebracht: Ninon beschäftigt sich schon früh mit Montaigne und Epikur - und zieht ihre Konsequenzen: "Seit ich begriffen habe, dass den Frauen nicht das bessere Los zu Teil geworden ist, habe ich mich zum Mann gemacht." Ninon vollzieht diesen Rollenwechsel, indem sie Kurtisane wird und sich aushalten lässt. Für sie die einzige Möglichkeit, ein unabhängiges Leben zu führen. Schon bald stehen die adeligen Anbeter Schlange. "Niemals hatte Ninon mehr als einen Geliebten zugleich. Wenn sie des erklärten Liebhabers müde war, sagte sie es ihm frei heraus und nahm sich einen anderen", schreibt Herzog von Saint-Simon. Angeblich gibt Ninon de Lenclos Kardinal Richelieu einen Korb, weil er ihr als Mann nicht gefällt. Ihre Liebschaften bezeichnet sie als "Caprices" (Launen) und betont, "dass die Liebe, um uns glücklich zu machen, nicht als ernsthafte Affäre, sondern als eine leichte und heitere Sache aufgefasst werden muss." Die Kinder, die ihren zahlreichen Verbindungen entstammen, überläßt sie nach ihrer Geburt den jeweiligen Vätern.

Als Kurtisane ist Ninon de Lenclos eigentlich nicht gesellschaftsfähig. Doch während Prostituierte und uneheliche Mütter aus dem einfachen Volk hart bestraft werden, steigt sie während der Regentschaft König Ludwigs XIV. zum strahlenden Stern der Pariser High Society auf. Jeden Abend zwischen fünf und neun Uhr versammelt sich die Crème de la Crème im Salon von Ninon in der Rue de Tournelle im Pariser Marais-Viertel. Hier herrscht - im Gegensatz zur streng reglementierten Hofgesellschaft in Versailles - das freie Gespräch. Sie ist mit den Dichtern La Fontaine und Scarron befreundet, mit mächtigen Adeligen wie dem Prinz von Condé oder Geistlichen wie Abbé de Chateauneuf. Molière trägt ihr seine Stücke vor, und sogar die schwedische Königin Christine besucht sie. In ihrem Salon wird Ninon de Lenclos auch ein Junge namens Francois-Marie Arouet vorgestellt, der später unter dem Namen Voltaire das Denken seiner Zeit verändern wird. Sie vermacht ihm in ihrem Testament Geld - mit der Anregung, damit Bücher zu kaufen.


Stand: 17.10.05