20. Februar 2005 - Vor 215 Jahren: Todestag von Kaiser Joseph II.

Stichtag

20. Februar 2005 - Vor 215 Jahren: Todestag von Kaiser Joseph II.

Am Ende eines kurzen und rastlosen Lebens hatte es sich Joseph II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, mit allen verscherzt. Kaum war der schwer erkrankte Monarch am 20. Februar 1790 in der Wiener Hofburg gestorben, da beeilten sich Adel, Kirche und Verbündete, die von Joseph durchgeführten Reformen wieder rückgängig zu machen. Der im Geist der katholischen Aufklärung und des modernen Naturrechts erzogene Kaiser hatte zu viel gewollt, zu schnell und alles mit der Brechstange eines Despoten. Seine Vision war ein moderner, anti-klerikaler, sich selbst verwaltender Staat, unter der Kontrolle eines autokratischen Herrschers.Geboren wurde Joseph am 13. März 1741 als ältester Sohn von Kaiser Franz I. und Kaiserin Maria Theresia. Schon als 19-Jähriger nahm er an den Sitzungen des Staats- und Kriegsrates teil. Als sein Vater 1765 starb, fiel Joseph die Kaiserwürde zu. Im gleichen Jahr ernannte die herrschende Maria Theresia ihren Sohn zum Mitregenten – obwohl sie Josephs wildem Reform-Eifer höchst skeptisch gegenüber stand. Ebenso wenig teilte sie den auf Gebietsgewinn ausgerichteten imperialen Ehrgeiz ihres Sohnes. Bis zu ihrem Tod am 29. November 1780 hielt sie die kaiserlichen Zügel fest in der Hand.

In den folgenden zehn Jahren erließ Joseph II. mehr als 6.000 eigenhändig verfasste Edikte. Der Kaiser durchforstete sämtliche Belange seines Vielvölkerreiches; dabei begriff er sich als aufgeklärter Geist, allen anderen an Verstand und Einsicht überlegen. So vorausschauend viele seiner Reformen auch waren – Bauernbefreiung, Abschaffung der Folter, Entmachtung der Kirche, Förderung von Bildung, Volksgesundheit und Rechtswesen – stets forderte der zum Despoten mutierte Joseph nur Widerstand heraus. Obwohl sein Lebenswerk fast vollständig revidiert wurde, ließen sich die Uhren nicht zurückstellen. Der Regierungszeit des verhassten Joseph verdankt es das Habsburger-Reich, dass es den Umwälzungen der nachfolgenden Ära Napoleons gewachsen war.


Stand: 20.02.05