17. April 2005 - Vor 30 Jahren: Premiere des DDR-Films "Jakob der Lügner"

Stichtag

17. April 2005 - Vor 30 Jahren: Premiere des DDR-Films "Jakob der Lügner"

Ein jüdisches Ghetto in Osteuropa im Jahr 1944: Ein Wachposten schickt Jakob Heym zum Gestapo-Revier. Angeblich hat er gegen die Ausgangssperre verstoßen. Dort hört er zufällig im Radio die Meldung, dass die Rote Armee auf dem Vormarsch und nur noch 400 Kilometer entfernt ist. Nach seiner Rückkehr möchte Jakob die gute Nachricht den Ghetto-Bewohnern weitererzählen. Doch er hat Angst, dass er für einen Spitzel gehalten wird. Deshalb gibt er vor, ein Radio versteckt zu haben. Eine Lüge, die ihn das Leben kosten könnte, wenn die Nazis davon erfahren. Die Menschen im Ghetto schöpfen neuen Lebensmut. Selbstmorde werden aufgeschoben, Liebesbeziehungen begonnen. Jakob muss weiterlügen, damit die Hoffnung bleibt. "Seit gestern ist morgen auch noch ein Tag", heißt es im Jurek Beckers Roman "Jakob der Lügner", der 1969 in der DDR erscheint.

Bereits 1963 haben Becker und der Regisseur Frank Beyer ein Drehbuch gleichen Titels bei der DEFA, der DDR-Filmgesellschaft, eingereicht. In Polen sind dafür schon mögliche Drehorte ausfindig gemacht. Doch die polnische Kulturbehörde lehnt ab. Ohne Originalschauplätze will Beyer nicht drehen. Der Film wird verschoben. Becker entschließt sich, den Stoff als Roman zu veröffentlichen. Das Buch macht international Furore. Jetzt will sich auch das ZDF an der Verfilmung als Co-Produzent beteiligen - und hat einen Besetzungsvorschlag für die Hauptrolle: Heinz Rühmann. Die Besetzung mit einem populären, aber durch sein Nazi-Mitläufertum belasteten bundesdeutschen Schauspieler muss vom DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker persönlich abgesegnet werden. Seine Antwort: Man möge doch "zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf eine solche Besetzung verzichten".
Der Film wird auch ohne Rühmann ein großer Erfolg. Er wird am 17. April 1975 in Berlin uraufgeführt. Hauptdarsteller Vlastimil Brodsky erhält im selben Jahr auf der Berlinale einen Silbernen Bären. Als einziger DEFA-Film wird "Jakob der Lügner" 1976 für einen "Oscar" nominiert.


Stand: 17.04.05