23. Juli 2005 - Vor 25 Jahren: Studie 'Global 2000' vorgelegt

Stichtag

23. Juli 2005 - Vor 25 Jahren: Studie 'Global 2000' vorgelegt

Harald Schmidt hat sich in einer seiner Shows über eine Imbissstube in Köln-Nippes lustig gemacht, die sich immer noch, Jahre nach dem Millennium, "Grill 2000" nennt. Aus einem symbolträchtigen, magischen Datum ist Vergangenheit geworden. Auch für die Studie "Global 2000" ist ihr Titel erst ein Vorteil, später ein Hindernis: In den 1980er Jahren ist sie ein Bestseller, eine halbe Million Mal verkauft, eine Bibel der Umweltbewegung. In Deutschland wird sie das erfolgreichste Buch im Verlag "Zweitausendeins" (noch so ein überholter Name!). Heute wird die Studie kaum mehr zitiert. Die düstere Zukunft, die das Buch auf 1.500 Seiten prognostiziert, ist anscheinend nicht eingetreten, das magische Datum längst verstrichen. Die Apokalypse wirkt überholt. Eine österreichische Umweltschutzorganisation nennt sich standhaft weiterhin "Global 2000"."Global 2000" entsteht nicht bei Greenpeace oder bei den Grünen, die sich Anfang 1980 als Bundespartei gründen. Sie wird 1977 vom US-Präsidenten Jimmy Carter in Auftrag gegeben, als Grundlagenstudie über die Zukunftsaussichten der Menschheit. Mehrere 100 Experten erarbeiten das Szenario. Sie rechnen mit zunehmender Überbevölkerung der Erde, knapper werdenden Nahrungsmitteln, stärker belasteter Umwelt. Auch den Klimawandel durch CO2-Emission sehen die Autoren schon; die Polkappen könnten schmelzen, der Meeresspiegel steigen. Am 23. Juli 1980 legen die Autoren den Bericht dem Präsidenten vor. Aber Carter hat zu dieser Zeit andere Probleme: In der US-Botschaft in Teheran werden 52 Amerikaner als Geiseln festgehalten. Ihre gewaltsame Befreiung misslingt. In der Präsidentschaftswahl am 4. November 1980 besiegt Ronald Reagan den glücklosen Carter. Der konservative Optimist Reagan lässt "Global 2000" in der Schublade verschwinden.

Bis heute ist umstritten, ob die 1980 befürchtete globale Krise überhaupt stattfindet. "Apokalypse No" titelt der dänische Statistik-Professor Björn Lomborg und sieht die Pessimisten mit Zahlen widerlegt. Andere Wissenschaftler schreiben jedoch die Warnungen von "Global 2000" fort, verweisen auf Waldschadensberichte, Wüstenwachstum und die rapide steigende Umweltbelastung in Schwellenländern wie China. Gerade in den reichen Ländern bemerkt man von all dem eher wenig. Genau das befürchtet schon "Global 2000": Die meisten vorhergesagten Probleme würden erst Jahre nach der Jahrtausendwende allgemein und unmittelbar spürbar sein. Nur ließen sie sich dann, wenn man sie nicht mehr bestreiten kann, auch nicht mehr ändern.Stand: 23.07.05