13. Mai 2005 - Vor 5 Jahren: Explosions-Katastrophe in Enschede

Stichtag

13. Mai 2005 - Vor 5 Jahren: Explosions-Katastrophe in Enschede

Das Inferno bricht am 13. Mai 2000, einem sonnigen Samstagnachmittag, über die niederländische Grenzstadt Enschede herein. Im Ortsteil Roombek fühlen sich die Menschen plötzlich wie im Krieg. "Es war genau wie ein Bombenangriff, so eine schwere Explosion", erinnert sich eine Augenzeugin. Über der Stadt steht eine riesige Rauchsäule, durchzuckt von explodierenden Feuerwerkskörpern in schillernden Farben. Bei der Firma S. E. Fireworks sind mehr als 100 Tonnen Feuerwerk in die Luft gegangen. Aber das ist in diesen Minuten noch nicht bekannt. Der Feuerwehr fehlen Pläne und Unterlagen. Deshalb beginnen die Lösch- und Rettungsarbeiten chaotisch. Selbst Tage nach dem Unglück werden noch viele Bewohner vermisst. Die Bilanz: 22 Tote, mehr als 1.000 Verletzte, 400 zerstörte Häuser und Wohnungen, mehr als eine Milliarde Gulden Sachschaden. Der Stadtteil Roombek existiert nicht mehr.

Eine unabhängige Kommission wird eingesetzt, um Hintergründe und Hergang der Katastrophe zu ermitteln. Ihr Ergebnis: S. E. Fireworks hat viel zu viele und viel zu gefährliche Feuerwerkskörper auf dem Betriebsgelände gelagert, insgesamt fast 180 Tonnen - und das mitten im Wohngebiet. Der Brandschutz ist sträflich vernachlässigt worden. Bei all dem schauten die Behörden in Stadt und Land tatenlos zu. Eine Frage wird in dem fast 2.000 Seiten starken Bericht allerdings nicht beantwortet: Wodurch ist das Feuer auf dem Werksgelände entstanden, das die fatale Kettenreaktion ausgelöst hat? Das ist bis heute ungeklärt. Polizei und Staatsanwalt glauben zunächst, einen Brandstifter gefunden zu haben. Der Mann wird im Berufungsverfahren vor Gericht freigesprochen - zu dünn seien die Indizien, urteilen die Richter. Zwei andere müssen dagegen für ein Jahr in Gefängnis: die beiden Direktoren der Feuerwerksfabrik. Durch ihre Fahrlässigkeit seien sie für die Explosion mitverantwortlich.Bis zum Jahr 2010 sollen in Roombek 1.500 neue Wohnungen entstehen. Die Explosionsstelle bleibt als Mahnmal erhalten: ein flacher Krater aus Betonplatten - wie von einer Riesenfaust in den Boden geschlagen.Stand: 13.05.05