26. April 2005 - Vor 50 Jahren: Bertelsmann-Chef Heinrich Mohn stirbt

Stichtag

26. April 2005 - Vor 50 Jahren: Bertelsmann-Chef Heinrich Mohn stirbt

Bertelsmann ist der fünftgrößte Medienkonzern der Welt - mit Beteiligungen an RTL, Sony BMG, Zeitschriften wie Spiegel und Stern, Amerikas größtem Buchverlag Random House und vielen anderen Firmen. Den Grundstein zu dieser Erfolgsgeschichte wird von Heinrich Mohn im "Dritten Reich" gelegt. Geboren wird der Verleger am 27. März 1885 in Gütersloh. Sein Vater Johannes Mohn ist Inhaber des Verlages C. Bertelsmann, seine Mutter Frederike die letzte Vertreterin der Linie Bertelsmann. Heinrich macht eine Buchhändlerlehre, eine Druckerausbildung und Volontariate in Buchhandlungen. 1910 steigt er als Teilhaber ins väterliche Unternehmen ein. Zwei Jahre später heiratet er die Pastorentocher Agnes Seippel, mit der er sechs Kinder zeugt. Im Ersten Weltkrieg meldet sich Mohn als Freiwilliger. 1921 übernimmt er das Unternehmen.Heinrich Mohn holt den protestantischen Familienverlag aus seiner religiösen Ecke und öffnet ihn für die Massenliteratur. Zunächst sind es Publikationen für Kinder und Jugendliche, dann wird Kriegs- und Nazi-Propaganda verbreitet. Bereits 1933 erscheint "Sterilisation und Euthanasie" - eine Rechtfertigungsschrift für das spätere NS-Erbgesundheitsgesetz. Nur ein Jahr später: Der "Kleine Katechismus für den braunen Mann". Zu den Hausautoren gehören Antisemiten wie Hans Grimm und Will Vesper. Im Zweiten Weltkrieg wird Bertelsamnn zum größten Lieferanten der Wehrmacht: Der Verlag produziert fast 20 Millionen Feldpost-Bändchen - mit Titeln wie "Panzer am Feind", "Wir knacken einen Geleitzug" oder "Ein Stoßtrupp dringt in Warschau ein".Passive Mitgliedschaft bei der SS verschwiegenNach dem Krieg erzählen Heinrich Mohn und sein Sohn Reinhard, der 1947 die Verlagsleitung übernimmt, eine ganz andere Geschichte: Bertelsmann sei ein "Widerstandverlag" gewesen und deswegen von den Nazis geschlossen worden. Als Heinrich Mohn am 26. April 1955 im Alter von 70 Jahren stirbt, ist die Legende zur offiziellen Firmengeschichte geworden. "Während des Zweiten Weltkriegs haben wir Bücher produziert, die im Dritten Reich als subversiv verboten wurden", behauptet noch 1998 der damalige Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff. "Das Weiterbestehen von Bertelsmann war eine Bedrohung für die Nazis bei ihrem Versuch, die Meinungsfreiheit unter ihre Kontrolle zu bringen."

Der Historiker Hersch Fischler kritisiert damals diese Darstellung: "Ich habe im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf in den Entnazifizierungsakten von Heinrich Mohn eine Karteikarte gefunden, aus der hervorging, dass er 1947 nachmelden musste, dass er passives Mitglied der SS gewesen ist." Daraufhin tritt Konzernchef Reinhard Mohn die Flucht nach vorne an und beauftragt den Historiker Saul Friedländer mit der Bildung einer Untersuchungskommission. Im Oktober 2002 legt diese ihre Ergebnisse vor: Bertelsmann habe mit seiner Buchproduktion die Ideologie der Nazis verbreitet und dafür auch indirekt Zwangsarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen akzeptiert den Bericht und verlegt ihn unter dem Titel "Bertelsmann im Dritten Reich".Stand: 26.04.05