2. Juli 1976 - Offizielle Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam

Stand: 02.07.2016, 00:00 Uhr

2. September 1945: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs proklamiert Ho Chi Minh in Hanoi die Unabhängigkeit Vietnams. Der Kommunist und seine Vietminh kämpfen für ein freies Land ohne Kolonialherrschaft. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Vietnam französische Kolonie und stand während der Zweiten Weltkriegs unter japanischer Besatzung. Zwar gibt es einen Friedensvertrag mit den Vietminh, doch die Franzosen versuchen, erneut die koloniale Kontrolle über Vietnam zu gewinnen. Die Vietminh wehren sich mit einem Guerillakrieg. In Dien Bien Phu, einem kleinen Dorf im Nordwesten Vietnams, kommt es im Frühjahr 1954 zur Entscheidungsschlacht. Die Franzosen werden vernichtend geschlagen und müssen das Land verlassen.

Nach der Niederlage Frankreichs findet im Mai 1954 in Genf eine Friedenskonferenz statt. Dort wird festgelegt, dass Vietnam entlang des 17. Breitengrades geteilt wird. In der Republik Südvietnam regiert der von den USA protegierte Katholik Ngo Dinh Diem. Im Norden bleiben die Kommunisten Ho Chi Minhs an der Macht. Hunderttausende Vietnamesen siedeln in den jeweils anderen Landesteil über. Die südvietnamesische Regierung setzt auf reiche Händler und Großgrundbesitzer aus dem Norden. Gleichzeitig wächst aber in der Bevölkerung der Widerstand gegen das kapitalistische Regime. Die kommunistische "Nationale Front für die Befreiung Südvietnams" (Vietcong) bekommt immer stärkeren Zulauf - und Unterstützung aus Nordvietnam.

USA bombardieren Nordvietnam

Als die Amerikaner den Eindruck haben, dass Ngo Dinh Diem die Kontrolle entgleitet, greifen sie ein. US-Präsident John F. Kennedy schickt zunächst 20.000 Militärberater nach Südvietnam. Als der Erfolg aus amerikanischer Sicht ausbleibt, entsendet Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson im Sommer 1964 die ersten Soldaten nach Vietnam. Die USA nehmen einen fingierten Zwischenfall im Golf von Tonking zum Anlass, Nordvietnam zu bombardieren. Damit beginnt der Vietnamkrieg. "Ein Krieg, der zunehmend zu einem totalen Krieg wird", sagt Marc Frey, Professor für Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre sei das Leben der Zivilbevölkerung in massiver Weise beeinträchtigt worden.

Nicht nur in den USA, sondern weltweit demonstrieren Menschen für eine Ende des grausamen Krieges. Im Geheimen verhandeln die Kriegsparteien schon länger über einen Frieden. "Die begannen eigentlich kurz nach der Tet-Offensive 1968 und zogen sich dann bis Anfang 1973", sagt Martin Großheim, Professor am Lehrstuhl für Südostasienkunde an der Universität Passau. Das Pariser Friedensabkommen vom Januar 1973 habe einen Waffenstillstand und den völligen Abzug der Amerikaner aus Nordvietnam festgeschrieben. "Aber der Friedensschluss beinhaltete eben nicht den Rückzug der nordvietnamesischen Truppen, die sich südlich des 17. Breitengrades befanden." Vietcong und Vietminh kämpfen nun gemeinsam gegen das Regime in Südvietnam. Durch den schrittweisen Abzug der US-Soldaten verliert das Regime immer mehr Territorium. Nordvietnams Truppen rücken immer weiter vor.

Sieg der Kommunisten

Am 29. April 1975 endet das amerikanische Engagement in Südvietnam. Einen Tag später kapituliert Südvietnam, die Kommunisten haben gesiegt. Nun soll zusammenwachsen, was für den 1969 verstorbenen Ho Chi Minh zusammengehörte. Der Nord- und der Südteil ergeben zusammen die Sozialistische Demokratische Republik Vietnam. Aus Saigon wird Ho-Chi-Minh-Stadt. Im November 1975 wird der Zusammenschluss vertraglich besiegelt. Offiziell beschlossen wird die Wiedervereinigung am 2. Juli 1976 von der neuen Nationalversammlung. Die Sieger gehen mit den Verlierern wenig zimperlich um. Sie richten Umerziehungslager ein und verhaften Militärs, Beamte und Verwaltungsangestellte der südvietnamesischen Regierung.

Der Süden soll entgegen allen Versprechungen so schnell wie möglich sozialistisch werden. Von Mitte 1978 wird der Handel verstaatlicht, die Landwirtschaft kollektiviert. "Das hat natürlich zu sehr viel Enttäuschung geführt", sagt Professor Großheim. "Denn die vielen Südvietnamesen waren nach 1975, obwohl sie eigentlich nicht kommunistisch waren und vorher nicht die Befreiungsfront unterstützt haben, durchaus bereit, sich einzusetzen für den Wiederaufbau des Landes." Nach 1978 verlassen die ersten Flüchtlinge das Land mit dem Schiff. "Danach stieg die Zahl der Boatpeople immens an." Geschätzt fliehen 1,5 Millionen Vietnamesen aus dem Land. Seit Mitte der 1980er Jahre ist Vietnam auf dem Weg zu einer sozialistischen Marktwirtschaft, durch eine Doi Moi genannte Reformpolitik.

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