26. März 1917 - Geburtstag des Filmproduzenten Wenzel Lüdecke

Danny Kaye (li) und Wenzel Lüdecke

26. März 1917 - Geburtstag des Filmproduzenten Wenzel Lüdecke

Berlin nach 1945. Von der einst blühenden deutschen Kinolandschaft sind nur Ruinen geblieben. Im Land gibt es kaum noch Produzenten. Aber es gibt einen riesigen Bedarf an Filmen, die die kriegsgeschädigte Bevölkerung in eine andere Welt entführen. Die aber kommen vor allem aus Hollywood. Als die Alliierten die Importbeschränkungen für ausländische Filme im Besatzungsstatut außer Kraft setzen, bleibt nur noch eine Hürde: die fremde Sprache.

Wenzel Lüdecke will das Hindernis aus dem Weg räumen. Er gründet eine Synchronisationsfirma, die deutsche Filmgeschichte schreibt. James Bond bekommt von ihr ebenso eine neue Stimme wie Norman Bates oder E.T.

Zwei Dreiecke als Markenzeichen

Geboren wird Lüdecke am 26. März 1917 in München. Mit 15 überzeugt er den Vater vom Schulabbruch und beginnt beim Theater als Laufbursche. Fünf Jahre später schreibt er für den Ufa-Krimi "Großalarm" (1938) das Drehbuch. Im Zweiten Weltkrieg gehört er unter anderem zum Afrika-Korps von Erwin Rommel, gerät in amerikanische Kriegsgefangenschaft und hält sich nach seiner Entlassung in Berlin zunächst als Schnapsschmuggler über Wasser. Seine Idee vom eigenen Synchronisationsstudio verfolgt er gegenüber den Besatzern mit Beharrlichkeit, aber auch mit Charme, Aura und Überzeugungskraft.

1949 gründet Lüdecke mit der Erlaubnis, englische und amerikanische Filme auf Deutsch zu vertonen, im ehemaligen Gebäude der Hauptfilmstelle der deutschen Luftwaffe die Berliner Synchron Gesellschaft (BSG). Zwei weiße Dreiecke auf rotem Grund sowie der Namenszug ihres Gründervaters werden zu ihrem Markenzeichen. Der Western "Zwölf Uhr mittags" (1952) gehört zu den frühen Arbeiten, gefolgt von weiteren Klassikern wie "Ein Herz und eine Krone" (1953), "Verdammt in alle Ewigkeit" (1953) oder "Fenster zum Hof" (1954).

Empfang am Ehrentisch

Mit seinem eleganten Auftreten und seiner Eloquenz überzeugt Lüdecke immer wieder auch die deutsche Filmprominenz, ihre Stimmen den ausländischen Kollegen zu leihen. Georg Thomalla spricht Jack Lemmon und Peter Sellers, Harald Juhnke Marlon Brando. Nebenbei ist er auch als Produzent tätig. So entdeckt er den 16-jährigen Horst Buchholz, mit dem er eine Weile auch zusammenlebt, und macht ihn mit den Erfolgsfilmen "Die Halbstarken" (1956), "Endstation Liebe" (1958) und "Nasser Asphalt" (1958) in seiner zweiten Firma, der Inter West Film GmbH, zu einem deutschen James Dean. In seiner Villa in Grunewald empfängt er in den 50er und 60er Jahren die Künstler- und Kinoszene. Bei den Empfängen der großen US-Filmgesellschaften sitzt er zumeist am Ehrentisch.

Die Erfindung des Farbfernsehens und das damit verbundene große Kinosterben übersteht Lüdecke ebenso wie das Erstarken der Konkurrenz und den technischen Wandel. In den 70er Jahren stehen epische Krimis wie "Der Pate" (1972) oder Sciencefiction-Filme "Krieg der Sterne" (1977) bei der Berliner Synchron auf dem Programm; später kommen auch noch Filme wie "Das Schweigen der Lämmer" (1988) hinzu. Zeitweise beschäftigt die BSG über 3.000 Synchronsprecher, Regisseure, Übersetzer und Autoren. Wenzel Lüdecke stirbt 1989 in Berlin. Da hat er die Leitung der Berliner Synchron bereits an seinen Adoptivsohn Wolfram übertragen.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 26. März 2017 ebenfalls an Wenzel Lüdecke. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 26.03.2017, 00:00