14. Februar 1989 - Mordaufruf Khomeinis gegen Salman Rushdie

Ayatollah Khomeini (r), Salman Rushdie (l)

14. Februar 1989 - Mordaufruf Khomeinis gegen Salman Rushdie

Am Valentinstag 1989 verbreitet Radio Teheran keine Liebesgrüße. Ayatollah Khomeini hat eine andere Botschaft: "Ich setze das stolze Volk der Muslime in aller Welt davon in Kenntnis, dass der Autor des Buches 'Die satanischen Verse' - das sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran richtet - und alle an seiner Publikation Beteiligten zum Tode verurteilt sind."

Das politische und religiöse Oberhaupt des Iran eröffnet damit eine Jagd: "Ich fordere alle Muslime auf, sie hinzurichten, wo immer sie sich auch befinden."

Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie (am 14.02.1989)

WDR 2 Stichtag | 14.02.2019 | 04:16 Min.

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Zehn Jahre im Verborgenen

Noch am selben Tag bezieht Scotland Yard in London Stellung vor dem Haus von Salman Rushdie. Er ist der Autor der "satanischen Verse" und hat durch einen Anruf der BBC vom Mordaufruf erfahren. Der Schriftsteller mit indisch-pakistanischen Wurzeln verbarrikadiert sich sofort: "Ich rannte die Treppe runter, verriegelte die Vordertür und schloss die Fensterläden."

Zehn Jahre verbringt Rushdie anschließend im Verborgenen. In den ersten Monaten wechselt er 75 Mal sein Versteck. Seine Leibwächter bringen ihn unter anderem auf entlegene Bauernhöfe in Schottland und Wales.

Vorwurf: Gotteslästerung

Anlass der sogenannten Fatwa - ein von islamischen Gelehrten erstelltes Rechtsgutachten - ist eine umstrittene Episode, die Rushdie in seinem Roman thematisiert.

In der Entstehungszeit des Islam soll demnach der Teufel dem Propheten Mohammed bei der Abfassung des Koran falsche, die sogenannten satanischen Verse eingeflüstert haben. Orthodoxe Muslime bestreiten das und bezichtigen den Autor deshalb der Gotteslästerung und Beleidigung des Propheten.

Attentate auf Übersetzer

Rushdies "satanische Verse" werden nach ihrem Erscheinen 1988 zunächst in seinem Geburtsland Indien verboten. Innerhalb weniger Wochen setzen zehn weitere Länder den Roman auf den Index. Dann folgt Khomeinis Aufruf, der auch nach seinem Tod im Juni 1989 weiter gilt - mit tödlichen Folgen.

1991 wird der japanische Übersetzer der "satanischen Verse" ermordet, der italienische bei einem Attentat schwer verletzt. Rushdie schreibt dennoch weiter und tritt öffentlich auf - allerdings selten und unter großen Sicherheitsvorkehrungen.

Entspannung ab 1999

Als in Teheran der als Reformer geltende Mohammad Khatami an die Macht kommt, entspannt sich die Lage. 1999 lässt er verkünden, dass der Iran keine Absicht hege, Rushdie zu töten.

Formell widerrufen ist die Todes-Fatwa aber bis heute nicht. Dennoch verzichtet Salman Rushdie mittlerweile auf Personenschutz.

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Stand: 14.02.2019, 00:00