17. Januar 1985 - Smog-Alarm im Ruhrgebiet

Archivbild: Erster Smogalarm der  Stufe II mit Fahrverboten  im Ruhrgebiet .

17. Januar 1985 - Smog-Alarm im Ruhrgebiet

Mitte Januar 1985 ist es frostig im Ruhrgebiet. Da zudem kaum Wind weht, hängt der Qualm der Autos, Heizungen, Kraftwerke und Industriebetriebe wie eine Dunstglocke über dem Revier. Als sich noch eine Warmluftschicht über die Kälte am Boden schiebt, wird der Luftaustausch blockiert. Smog durchzieht den Pott.

Am Donnerstag, 17. Januar 1985, erreichen die Emissionen bedenkliche Werte für die Gesundheit. NRW-Gesundheitsminister Friedhelm Farthmann (SPD) muss Smog-Alarm der Stufe 1 auslösen.

Smog-Alarm im Ruhrgebiet (am 17.01.1985)

WDR 2 Stichtag 17.01.2020 04:04 Min. Verfügbar bis 14.01.2030 WDR 2

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In dieser Vorwarnstufe werden die Bürger gebeten, aufs Autofahren zu verzichten, und die Industrie schwefelstoffärmere Kohle zu verfeuern. Doch es kommt am nächsten Tag noch schlimmer.

Luftverschmutzung überschreitet Grenzwerte

Der Dunst will nicht weichen, die Sicht beträgt zum Teil nur wenige Meter. Im Radio werden die Bürger gewarnt: "Herz- und Kreislaufkranke sowie Personen mit Atemwegserkrankungen sollten sich möglichst nicht im Freien aufhalten."

Die Luftverschmutzung durch Schwefeldioxid und Schwebstaub überschreitet an einigen Messstellen den Grenzwert von 1,7 Milligramm pro Kubikmeter. Farthmann muss am Freitagnachmittag für Teile des Ruhrgebiets Smog-Alarm Stufe 3 auslösen – zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik.

Betriebs- und Fahrverbote im Revier

Mit der höchsten Alarmstufe ist die Zeit des Bittens vorbei: Alle Unternehmen, die Luftverschmutzung verursachen, müssen ihren Betrieb einstellen. In Bottrop, Duisburg, Essen, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr dürfen fortan keine Autos mehr fahren, die Schulen bleiben geschlossen.

"Es war gespenstisch still. Man sah nur einen fahlen, gelben Nebel, der auch nicht besonders gut roch", erinnert sich Ulrich Quass, Umwelttechniker beim NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Schuld am Smog sind aber nicht nur die Kraftwerke und Betriebe im Ruhrgebiet, die seinerzeit ungefiltert ungesundes Schwefeldioxid in die Luft blasen.

Emissionen aus dem Osten

"Unser Wintersmog war auch zu einem ganz erheblichen Anteil damals immer mit Emissionen aus Ostdeutschland verbunden, weil das meistens bei Wetterlagen auftrat, die mit Ostwind verbunden waren", so Quass. Im Januar 1985 dauert es einige Tage bis Wind den dreckigen Dunst so weit auflöst, dass die Autos wieder fahren dürfen.

"Solche Smogwetterlagen werden wir heute nicht mehr erleben", ist Quass überzeugt. Denn selbst in der Nähe von Kraftwerken und Industriebetrieben ist dank Rauchgas-Entschwefelung kaum noch Schwefeldioxid in der Luft.

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Stand: 17.01.2020, 00:00