7. Dezember 1912 - "Peterchens Mondfahrt" wird uraufgeführt

Szenenbild von "Peterchens Mondfahrt"-Aufführung 1939 mit Fritz Eugen (re.) in Titelrolle

7. Dezember 1912 - "Peterchens Mondfahrt" wird uraufgeführt

Maikäfer Sumsemann hat großes Pech: Als ein Holzdieb an einem Sonntag eine Birke fällt, erwischt er dabei auch ein Bein des Maikäfers. Zur Strafe verbannt die Nachtfee den Dieb samt Birke und Käferbein auf den Mondberg. Dem armen Herrn Sumsemann aber gewährt sie aus Mitleid eine besondere Gunst:

Sollte Sumsemann zwei Kinder finden, die noch nie ein Tier gequält haben, darf er mit ihnen zum Mond, um das sechste Bein zu holen. "Peterchens Mondfahrt“, das Märchen vom Maikäfer, der mit den Geschwistern Peter und Anneliese durchs Weltall saust, gehört zu den beliebtesten Klassikern des Kindertheaters.

"Peterchens Mondfahrt" wird uraufgeführt (07.12.1912)

WDR 2 Stichtag | 07.12.2017 | 04:15 Min.

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Bei Sanatoriumsaufenthalt entstanden

Gerdt von Bassewitz, der Autor und Spross aus verarmtem Mecklenburger Adel, soll eigentlich Offizier werden. Nach einer Herzerkrankung muss er aber bereits mit 25 Jahren seinen Abschied nehmen. Der unglückliche Privatier versucht sich als Schauspieler, als Direktionsassistent am Stadttheater Köln und, mit wenig Erfolg, als Autor schwerblütiger Dramen.

Mehrfach sucht er, "zur Wiederherstellung meiner im Felde und durch mancherlei Sorgen sehr heruntergekommenen Nerven", in Kurkliniken Genesung. Während eines Aufenthalts im Taunus schreibt von Bassewitz 1911 für Peter und Anneliese, die Kinder seines Arztes, das Märchenspiel von der Reise zum Mond. Am 7. Dezember 1912 wird "Peterchens Mondfahrt" am Alten Theater in Leipzig uraufgeführt und auf Anhieb ein sensationeller Erfolg. Fünf Jahre später veröffentlicht von Bassewitz die Geschichte als Buch; es wird ein Dauer-Bestseller.

Vom Sandmann auf den Mond geschossen

Vor allem die fantasievolle Schilderung der himmlischen Gefilde begeistert das kleine Publikum jeder Generation aufs Neue. Bei der Jagd nach dem sechsten Maikäferbein unternimmt Herr Sumsemann mit den Kindern eine Schlittenfahrt auf der Milchstraße; sie reiten auf dem Großen Bären und landen unter anderem auf der Weihnachtswiese und im Osternest.

Auf ihrer Reise lernen Peter und Anneliese auch das skurrile Personal der Wetterküche kennen: Frau Sonne und die Blitz-Hexe, den Donnermann und Regen-Fritz. Das Sandmännchen schießt das Trio schließlich mit einer Kanone auf den Mond. Doch bevor Herr Sumsemann endlich sein Beinchen zurückbekommt, muss erst noch der böse Mondmann bezwungen werden.

Kein Weihnachten ohne Sumsemann

1951 kommt "Peterchens Mondfahrt" auch als Hörspiel heraus und ist seither mehrfach neu aufgenommen worden. 1959 wird der Klassiker für das Fernsehen inszeniert. Besonders zur Weihnachtszeit ist "Peterchens Mondfahrt" nun über Jahrzehnte fester Bestandteil des ARD-Kinderprogramms. Als Zeichentrickfilm kommt das Märchen 1990 auch ins Kino. Später strahlt der Kinderkanal KiKa ihn als fünfteilige Serie aus.

Im deutschen Kindertheater steht "Peterchens Mondfahrt“ bis heute – meist im Star-Wars-Look aufgepeppt – auf dem Spielplan. Dem fantasiebegabten Autor haben Sumsemanns Abenteuer zwar den ersehnten Erfolg gebracht, glücklich geworden ist er damit aber nicht. Am 6. Februar 1923, direkt nach einer Lesung aus "Peterchens Mondfahrt" in der Villa Siemens am Berliner Wannsee, nimmt sich Gerdt von Bassewitz mit 45 Jahren das Leben.

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Stand: 07.12.2017, 00:00