28. September 1991 - Todestag von Miles Davis

Miles Davis, 1969

28. September 1991 - Todestag von Miles Davis

Ob Miles Davis den Musikreporter Dave Braden vom "Rolling Stone Magazine" wirklich ins Gesicht geschlagen hat? Vielleicht ist das nur eine jener Legenden, die auch der nicht immer ganz authentische Spielfilm "Miles ahead" 2015 von dem Jazz-Trompeter entwirft. Tatsache ist, dass Davis ein großer Fan des Boxsports ist. Und für seine teils exzentrische Art keinen Musiker, sondern den Boxer Sugar Ray Robinson als Gewährsmann nennt.

"Sugar Ray war eines der wenigen Vorbilder, die ich je hatte", wird Davis einmal sagen. "Er wirkte wie ein Star, wenn man in die Zeitung sah, wie er aus der Limousine steigt, mit schönen Frauen an seiner Seite und blitzgescheit." Zudem hätten Boxer und Jazz-Musiker vieles gemeinsam: vor allem ein gutes motorisches Gedächtnis – und ein gutes Reaktionsvermögen.

In allen Spielarten zuhause

Geboren wird Miles Dewey Davis III. 1926 in Alton im US-Bundesstaat Illinois. Seine Familie ist ebenso wohlhabend wie musikalisch. Davis wird in einem Viertel ohne Rassentrennung groß, mit neun Jahren erhält er seine erste Trompete. 1944 übersiedelt er nach New York, wobei der Besuch der dortigen Juilliard School of Music wohl nur ein Vorwand ist: Tatsächlich geht es Davis darum, seine großen Idole wie Charlie Parker oder Dizzy Gillespie zu treffen. Schon ein gutes Jahr später ist er mit Parker im Aufnahmestudio.

Seine Kollegen und das Publikum besticht Davis mit einer unverwechselbaren akustischen Trompetenstimme, mal gedämpft im Cool Jazz, mal vibratolos im modalen, mal verzerrt im rockigen Jazz. Der Bruch mit den etablierten Traditionen des Jazz wird dabei sein Markenzeichen. Vom Bebop bis zum Hard-Bop und Electric Jazz setzt der Trompeter immer wieder neue Akzente. Trotzdem ist er immer als Davis zu erkennen, wie sein ebenso revolutionäres wie stilbildendes Album "Kind of Blue" von 1959 belegt.

Kämpfer gegen den Rassismus

Privat gibt sich Davis wie sein Boxervorbild Sugar Ray Robinson: mit exzentrischer Kleidung, gelben Ferraris und zur Schau gestellter Coolness. Der Erfolg indes schützt ihn nicht vor rassistischen Übergriffen. Im Gegenteil. Im August 1959 etwa, als er den legendären New Yorker Jazzclub "Birdland" verlässt, um Luft zu schnappen. Dem Polizist, der ihn auffordert weiterzugehen, ist nicht klarzumachen, dass er hier arbeitet. In einem Gerangel schlägt ihn der Polizist mit einem Schlagstock auf den Hinterkopf, Davis wird wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen. Erst Monate später kann er wieder auftreten. Nicht zuletzt wegen solcher Erlebnisse ist Davis Zeit seines Lebens auch ein Kämpfer gegen den Rassismus.

Probleme mit seiner Gesundheit, vor allem mit einer vererbten Blutkrankheit , werfen Davis immer wieder aus der Bahn. Jedes Mal berappelt er sich und erfindet sich wieder neu – im Dienste einer Musik, die er nicht Jazz, sondern "social music" nennen möchte. Den Kampf gegen seinen Körper verliert Davis schließlich doch. 1991 erleidet er nach einem Streit mit einem Klinikarzt im St. John’s Hospital and Health Care Center von Santa Monica einen Schlaganfall und fällt ins Koma. Am 28. September 1991 beschließt seine Familie, die lebensverlängernden Geräte abzustellen.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 29. September 2016 ebenfalls an Miles Davis. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 29.09.2016: Vor 85 Jahren: Geburtstag der Schauspielerin Anita Ekberg

Stand: 28.09.2016, 00:00