8. Dezember 1722 - Liselotte von der Pfalz stirbt in Saint-Cloud

Ein Gemälde von Liselotte von der Pfalz

8. Dezember 1722 - Liselotte von der Pfalz stirbt in Saint-Cloud

Als Tochter des Kurfürsten Karl I. Ludwig von der Pfalz weiß Elisabeth Charlotte, dass ihr eine Liebesheirat nicht vergönnt ist. So sagt die 19-jährige Prinzessin, die alle Liselotte nennen, im November 1671 unter Tränen, aber gehorsam, ihrem geliebte Heidelberg adieu und reist an den französischen Hof.

In Paris heiratet sie Philipp von Orléans, den verwitweten Bruder von König Ludwig XIV. Ihr offenkundig homosexueller Gatte bleibt ihr zeitlebens fremd. "Heürath seindt wie der tod", schreibt Liselotte später.

Liselotte von der Pfalz (Todestag 08.12.1722)

WDR 2 Stichtag | 08.12.2017 | 04:17 Min.

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Von Ludwigs Mätresse kaltgestellt

Lange genießt Liselotte die Gunst des Sonnenkönigs, der ihre unverstellte Art, ihre Bildung und Gewitztheit schätzt. Als exzellente Reiterin begleitet sie ihn sogar auf die Jagd. Liselottes Ehemann erfüllt seine eheliche Pflicht, zeugt mit ihr drei Kinder und widmet sich ansonsten jungen, schönen Favoriten.

Als sich Liselotte aber mit Madame de Maintenon, der Mätresse Ludwigs XIV., anlegt, zeigt ihr der Sonnenkönig fortan die kalte Schulter. Gesellschaftlich isoliert, lässt Liselotte ihren Gefühlen in Briefen an Verwandte und Freunde freien Lauf - trotz der Zensur, die jede Zeile mitliest.

So beklagt sich Liselotte etwa über die Maintenon: "Ich glaube nicht, dass ein böserer Teufel in der Welt kann gefunden werden, als sie ist, mit all ihrer Devotion und Heuchelei - alles Unheil kommt von dieser Zott!" Als Ludwig XIV. in ihrem Namen Anspruch auf die Pfalz erhebt und diese ab 1688 in Schutt und Asche legen lässt, zieht sich Liselotte vollends in ihre Privatgemächer zurück.

Mutter des Regenten von Frankreich

Immer stärker flüchtet sie sich ins Schreiben von Briefen, von denen sie täglich Dutzende verfassen kann. An die 60.000 sollen es insgesamt gewesen sein, schätzen Historiker; nur etwa ein Zehntel davon ist erhalten. Liselottes Korrespondenz zählt heute zu den wichtigsten Quellen jener Epoche.

Detailreich, mit Witz und Sarkasmus geißelt sie die Oberflächlichkeit, Verlogenheit und Intrigen in Versailles. Nur im unaufhörlichen Schreiben findet die einsame Liselotte die Kraft zum Überleben.

1715, nach dem Tod Ludwigs XIV., wird ihr Sohn Philipp II. Regent und sie selbst steigt zur ersten Dame am Hofe auf. Mit 70 Jahren nimmt Liselotte zum letzten Mal die Feder in die Hand. Fünf Tage später, am 8. Dezember 1722, stirbt sie auf Schloss Saint-Cloud.

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Stand: 08.12.2017, 00:00