5. Juli 2001 - Todestag von Hannelore Kohl

Hannlore und Helmut Kohl lächelnd auf einem Waldweg

5. Juli 2001 - Todestag von Hannelore Kohl

Hannelore Kohl ist die "Barbie aus der Pfalz". So jedenfalls sieht es ein Großteil der Presse. Dabei sind das verkrampfte Lächeln und die Perücke, die Kohl aufsetzt, sobald sie aus dem Haus tritt, vor allem ein Schutzversuch, um den Anfeindungen der Öffentlichkeit entgegenzutreten. Und eine späte Folge jener Traumatisierung, die Hannelore Kohl nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch Soldaten der Roten Armee erlitten hat.

Kohl ist eine kluge Frau. "Von den vielen Politikergattinnen, die ich kennengelernt habe, war niemand so eloquent wie sie", sagt ihr Biograf Heribert Schwan. "Niemand konnte auf Französisch Interviews geben und sich so für Musik und Filme begeistern. Sie war alles andere als eine Barbie aus der Pfalz."

Tiefer Fall nach 1945

Geboren wird Hannelore Kohl als Johanna Klara Eleonore Renner 1933 in Berlin. Als Kind des NS-Wehrwirtschaftsführers Wilhelm Renner wächst sie in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach Kriegsende kommt der tiefe Fall: Sie muss betteln, um nicht zu verhungern. Mit zwölf Jahren wird sie von russischen Soldaten mehrfach vergewaltigt und aus dem Fenster geworfen "wie ein Sack Zement", was sie nachhaltig traumatisiert und ihre Wirbelsäule zeitlebens beschädigt.

Im Juli 1945 kommt Kohl ins rheinland-pfälzische Mutterstadt, wo sie mit ihrer Familie zunächst in einer Waschküche wohnt. 1951 macht sie das Abitur und beginnt eine Dolmetscherausbildung, die sie aber nach dem Tod des Vaters abbrechen muss. Danach arbeitet sie bei einem Verlag und bei der BASF.

Der Fels in der Brandung

Helmut und Hannelore Kohl lernen sich bereits 1948 bei einem Klassenfest kennen. Da ist sie 15, ihr späterer Mann 18 Jahre alt. Von ihrem Vater von allem Politischen ferngehalten und eigentlich politisch nicht sonderlich interessiert, findet sie in dem zukünftigen Bundeskanzler einen Fels in der Brandung. "Ich war so glücklich, dass ich in dieser schrecklichen Zeit einen Menschen gefunden hatte, der so stark war wie ein Berg, der mich beschützt", wird sie später sagen. An der Seite von Helmut Kohl, den sie 1960 heiratet, wird sie 1969 First Lady von Rheinland Pfalz und 1982 Kanzlergattin. Immer hält sie sich bescheiden im Hintergrund und widmet sich ganz der Erziehung der beiden Söhne Walter und Peter. In den medial inszenierten Famlienurlauben am Wolfgangssee suggeriert sie über 30 Jahre lang ein glückliches Leben. Innerhalb der Ehe soll sie emanzipiert gewesen sein.

Im Zuge der CDU-Spendenaffäre wird Hannelore Kohl zur Zielscheibe einer nicht immer objektiv geführten Pressekampagne. Freunde wenden sich ab, auf der Straße wird sie beschimpft – und das, obwohl sie offenbar händeringend versucht, ihren Mann dazu zu bewegen, die Namen der Spender zu nennen. Nach eigener Aussage leidet Kohl seit 1993 an einer Lichtallergie, die sie zwingt, tagsüber bei heruntergelassenen Jalousien im Haus zu verbringen. Am 5. Juli 2001 nimmt sich Hannelore Kohl das Leben.

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