28. Oktober 1932 - Gerhart Baum wird geboren

Gerhart Baum (FDP), ehemaliger Bundesinnenminister

28. Oktober 1932 - Gerhart Baum wird geboren

"Ich habe eigentlich keine Karriereüberlegungen am Anfang gehabt, auch später nicht", sagt Gerhart Baum, der 1972 bis 1982 zu den führenden Innenpolitikern der Bundesrepublik gehörte. Seine politische Laufbahn beginnt während des Jurastudiums in Köln mit dem Eintritt in die FDP 1954. "Wir sind auf Parteitage gegangen und wollten etwas verändern."

Zunächst hat Baum die eigene Partei im Visier: "Wir wollten die FDP verändern." Der Grund: Die Liberalen hatten eine "Generalamnestie" für Nazi-Täter und einen "Schlussstrich" gefordert. Damit waren sie für Alt-Nazis attraktiv, die versucht haben, den NRW-Landesverband zu unterwandern - am Ende ohne Erfolg.

Gerhart Baum, FDP-Politiker (Geburtstag 28.10.1932)

WDR 2 Stichtag 28.10.2017 04:17 Min. Verfügbar bis 26.10.2027 WDR 2

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Befürworter der sozialliberalen Koalition

Gemeinsam mit linksliberalen Mitstreitern mischt Baum die FDP auf, in der aus der Nazi-Zeit belastete Männer das Sagen haben. Ein Unding für den am 28. Oktober 1932 in Dresden geborenen Baum, der die Bombardierung seiner Heimatstadt im Februar 1945 als Zwölfeinhalbjähriger miterlebt hat. Dieser "Feuersturm" habe ihn politisch motiviert: "Es darf nie wieder dazu kommen."

Die FDP versteht sich bis Mitte der 1960er Jahre vor allem als Mehrheitsbeschaffer der Union. Dann zerbricht die Regierung und es kommt zur Großen Koalition. 1969 erreichen die Liberalen ihr Wahlziel und koalieren nun mit der SPD, die von Willy Brandt geführt wird.

In dieser Phase wird die FDP das, was Baum später seine FDP nennt: "Die sozialliberale Partei des Freiburger Programms, eine Partei, die die Marktwirtschaft nicht nur in einem funktionierenden Markt sah, sondern auch die Werte der Gesellschaft im Auge hatte."

Verzicht auf Justizministerium

Die Harmonie zwischen Baum - der 1972 Parlamentarischer Staatssekretär, 1978 Bundesinnenminister wird - und seiner Partei ist allerdings begrenzt. 1982 kippt der FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher die Koalition mit der SPD unter Bundeskanzler Helmut Schmidt und verhilft Helmut Kohl (CDU) ins Kanzleramt.

Dagegen wehrt sich Innenminister Baum in einer Debatte: "Die liberale Partei hat den Wählern erklärt: Wer FDP wählt, garantiert, dass Helmut Schmidt Bundeskanzler bleibt." Dieses Versprechen müsse auch eingehalten werden.

Baum macht die FDP-Volte nicht mit und verzichtet auf das ihm von Kohl angebotene Justizministerium. "Das war der einzige Moment, wo ich mir wirklich überlegt habe auszutreten", sagt Baum später.

Anwalt der Schwachen

Bereits in seiner Zeit im Innenministerium befasst sich Baum intensiv mit dem Spannungsbogen zwischen Freiheit und Sicherheit, etwa bei der Bekämpfung der RAF und bei der von ihm veranlassten Liberalisierung des sogenannten Radikalenerlasses. Diesen thematischen Fokus behält er auch anschließend bei.

Nach seinem Rücktritt als Minister bleibt er bis 1994 Mitglied des Bundestages und engagiert sich bei der UNO für Menschenrechte. Bis heute arbeitet er als Anwalt, setzt sich für Bürgerrechte und gegen Datenmissbrauch ein. Er vertrat russische Zwangsarbeiter, hat das Mandat von Angehörigen beim Love-Parade-Prozess und klagt gegen den VW-Dieselskandal.

"Mein Leben war eher auf Seite der Schwachen als Anwalt, als auf Seite der Starken", sagt Gerhart Baum. "Das zieht sich durch mein ganzes Leben."

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Stand: 28.10.2017, 00:00