Dr. George Gallup sitzend vor USA-Karte / Foto 1956

18. November 1901 - Demoskopie-Pionier George Gallup wird geboren

Stand: 18.11.2016, 00:00 Uhr

Die Geschichte der politischen Demoskopie beginnt mit einem Flop. Andrew Jackson werde der nächste US-Präsident, verkündet 1824 "The Harrisburg Pennsylvanian". 532 Leser hatten sich an einer Befragung des Lokalblattes beteiligt, über 60 Prozent glauben an einen Sieg von Jackson. Sechs Monate nach der Umfrage wird jedoch sein Rivale John Quincy Adams zum sechsten Präsident der Vereinigten Staaten gewählt.

Erst mehr als ein Jahrhundert später erkennt der Psychologe und Journalist George Gallup, warum die Wahlumfrage von 1824 daneben lag: Die Zahl der Befragten war zu klein, die Umfrage wurde zu früh gestartet und die Befragten bildeten keinen repräsentativen Querschnitt der Wähler. "Es ist der gleiche Effekt, den man heute von Votings im Fernsehen oder im Internet kennt", erklärt WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, seit vielen Jahren der Prognose-Experte im ARD-Wahlstudio. "Es melden sich nur die, die gerade Lust haben zu antworten. Und das muss nicht die repräsentative Bevölkerung sein.“

Treffsicher durch die "repräsentative Stichprobe"

George Gallup, am 18. November 1901 in Iowa geboren, schreibt 1928 seine Dissertation zum Thema "Eine neue Technik für objektive Methoden zum Messen des Leserinteresses an einer Tageszeitung". Als Professor für Statistik an der Universität Iowa lehrt er Psychologie und interessiert sich auch für Journalismus. 1932 übernimmt Gallup die Forschungsabteilung der New Yorker Werbeagentur Young & Rubicam und kommt auf die Idee, akademische Methoden zur Erkundung der öffentlichen Meinung einzusetzen. Nach der Erprobung von über 50 Befragungssystemen gründet er im Oktober 1935 in Princeton, New Jersey das "Institute of Public Opinion", das Institut der öffentlichen Meinung. "Die ersten Fragen, die wir stellten, drehten sich darum, wie viel Geld mein Land für die Streitkräfte ausgeben sollte."

Vor der Präsidentenwahl 1936 sagt eine große Zeitung eine Niederlage für Amtsinhaber Franklin D. Roosevelt voraus. Die Umfrage stützt sich auf drei Millionen an die Leser verschickte Fragekarten. Gallup dagegen setzt auf die "repräsentative Stichprobe", bei der eine kleine, aber aus allen Wählerschichten gebildete Gruppe exakt formulierte, neutrale Fragen beantwortet. Die so ermittelte Prognose ist ein Volltreffer: Roosevelt bleibt Präsident und das Gallup-Institut wird weltweit bekannt. Wie entscheidend der Umfragetermin ist, stellt sich 1948 heraus, als Harry S. Truman entgegen der Prognose die Wiederwahl schafft. Gallup hatte zu früh, nämlich 14 Tage vor der Wahl, fragen lassen. Dem Pionier der Demoskopie wird klar: Das Gewicht der bis zuletzt unentschiedenen Wähler muss berücksichtigt werden. Den Sieg von Dwight D. Eisenhower 1952 sagt Gallup dann wieder präzise voraus.

Weltweit führender Meinungsforscher

Die von Gallup entwickelte Demoskopie erobert schnell alle Bereiche der Gesellschaft. Vor allem die Industrie ist sehr interessiert an seinen Methoden. Sie geben Aufschluss, welche Produkte wann, warum und bei welchen Kunden gefragt sind. Verleger lassen testen, was Leser bevorzugen, ähnliche Interessen verfolgen die Rundfunkanstalten. Und Politiker wollen dauernd wissen, was in der Bevölkerung mehrheitsfähig ist. Das Gallup-Institut wird weltweit führend in Sachen Meinungsforschung. Unter dem Namen "Gallup International“ entsteht - meist in westlichen Ländern - eine Kette von insgesamt 36 selbständigen Markt- und Meinungsforschungsinstituten.

Auch Elisabeth Noelle-Neumann, die deutsche Pionierin der Meinungsumfrage, wird in den 30er-Jahren als Studentin in den USA von Gallup inspiriert. "Ich las dort die zweimal in der Woche erscheinenden Gallup-Umfragen. Es war immer ein kleines Foto dabei, dann die Frage und seine Ergebnisse." 1948 gründet die der CDU nahestehende Noelle-Neumann in Allensbach am Bodensee das erste Institut für Demoskopie in der Bundesrepublik. George Gallup bleibt seinem weltumspannenden Unternehmen bis zuletzt eng verbunden. Bei einem seiner seltenen Urlaube im Schweizer Sommerdomizil am Thuner See erkrankt er schwer. Am 27. Juli 1984 stirbt Gallup im Alter von 82 Jahren.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 18. November 2016 ebenfalls an George Gallup. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 19.11.2016: Vor 15 Jahren: Erster UN-Welttoilettentag