28. August 1903 - Geburtstag des umstrittenen Kinderpsychologen Bruno Bettelheim

Bruno Bettelheim

28. August 1903 - Geburtstag des umstrittenen Kinderpsychologen Bruno Bettelheim

"Bruno Bettelheim hat meinen Blick auf Kinder durch sein berühmtes Buch 'Kinder brauchen Märchen' dramatisch verändert“, sagt Michael Schulte-Markwort, der die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum in Hamburg Eppendorf leitet.

Bruno Bettelheim. Kinderpsychologe (Geburtstag 28.08.1903)

WDR 2 Stichtag 28.08.2018 04:07 Min. Verfügbar bis 25.08.2028 WDR 2


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In dem Standardwerk von 1976 zeigt Bettelheim, wie Märchen Kinder in ihrer seelischen und geistigen Entwicklung unterstützen können. Die Geschichten helfen, Ängste abzubauen, innere Konflikte zu lösen und machen durch das positive Ende Hoffnung auf die Zukunft.

Ein Schlaraffenland für kranke Kinder

Bruno Bettelheim, geboren am 28. August 1903, wächst als Sohn einer jüdischen Familie in Wien auf. Früh kommt er mit der Psychoanalyse in Kontakt. 1938 wird er von den Nazis verhaftet und in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald interniert. Die traumatischen Erlebnisse dort prägen später seine Arbeit mit seelisch erkrankten Kindern und Jugendlichen in einer psychiatrischen Einrichtung der Universität Chicago.

"Vor allem brauchen diese Kinder, was das Baby braucht: Eine vollkommen akzeptierende Umgebung, die Wunscherfüllung in der körperlichen Betreuung und in der seelischen Betreuung", erklärte Bettelheim.

Seine Therapie basiert darauf, eine Art Schlaraffenland zu schaffen: Bettelheims Schützlinge dürfen selbst bestimmten, wann sie aufstehen oder was sie essen wollten – auch Süßigkeiten sind jederzeit verfügbar. "Seine schwere Traumatisierung hat sicher dazu geführt, dass er eine Gegenwelt schaffen wollte", sagt Schulte-Markwort. Heute wissen Psychologen, dass sich Kinder in kompletter Regellosigkeit nicht gut entwickeln.

Bettelheim schlägt Patienten

Fast 30 Jahre lang leitet Bruno Bettelheim die Einrichtung in Chicago und wird zur unangreifbaren Instanz. Bis nach seinem Selbstmord im Jahr 1990 ehemalige Mitarbeiter und Patienten berichten, dass er zu Gewaltausbrüchen neigte und seine Schützlinge öfter geschlagen hat. Eine Erklärung dafür hatte er selbst geliefert: seine Zeit im KZ, die er nur durch die "Identifizierung mit dem Angreifer" überstanden hätte.

Dennoch gelten viele seiner Botschaften bis heute: "Das wichtigste Erziehungsmittel ist das Vorbild der Eltern und der Erzieher. Es ist ja nicht was einen die Eltern lehren, das einen so beeindruckt, sondern was die Eltern tun, wie die Eltern selbst leben, wie sie miteinander leben. Das ist viel eindrucksvoller für das Kind, als alles, was man sagt."

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Stand: 28.08.2018, 00:00