13. Juni 2003 – Robert Garside beendet seinen Lauf um die Erde

Der britische Läufer Robert Garside startet seine Weltumrundung

13. Juni 2003 – Robert Garside beendet seinen Lauf um die Erde

Ob Heißluftballon, Segelboot oder Solarauto: Einmal die Erde zu umrunden, ist ein Menschheitstraum seit der Entdeckung der Welt. Der britische Läufer Robert Garside versucht es zu Fuß.

Nach fünfeinhalb Jahren ist Garside wieder am Ausgangspunkt. 29 Länder und sechs Kontinente hat er da durchwandert und durchlaufen, 60.000 Kilometer sind es insgesamt. Mit seinem Gang um die Welt will er in die Geschichtsbücher eingehen. Dass es anders kommt, daran ist nicht zuletzt die Presse schuld.

Robert Garside beendet Lauf um die Welt (am 13.06.2003)

WDR 2 Stichtag | 13.06.2018 | 04:17 Min.

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Spaß im Mittelpunkt

Geboren wird Garside 1967 im britischen Stockport. Als Kind rennt er durch die Wälder im Nordwesten Englands. Als seine Mutter nach der Scheidung in die Slowakei zieht, entdeckt er im Laufen eine gute Fluchtmöglichkeit vor der harten Wirklichkeit. Er habe nicht viel erreicht in seinem Leben, wie Garside später sagen wird, aber jetzt möchte er unbedingt ins Guinness-Buch der Rekorde. Er bricht sein Psychologiestudium ab und unternimmt drei Versuche, um die Welt zu umrunden.

1998 startet Garside in Neu Delhi mit einem sieben Kilogramm schweren Rucksack mit Videorekorder, CD-Player, Kleidung und Geld vor allem für die Kontinente überbrückenden Flugreisen zu seinem letzten Lauf. Von Asien führt ihn sein Weg ostwärts über Australien, Südamerika, Nordamerika, Afrika und Europa zurück zum Ausgangspunkt. Teils rennt er 100 Kilometer täglich, manchmal pausiert er. Dann trifft er lieber Gesprächspartner, gerne auch Prominente.

Am 13. Juni 2003 sinkt Garside in Neu Delhi zu Boden: sonnengegerbt und schweißgebadet, erschöpft, aber glücklich. "Es war außergewöhnlich und brutal", sagt er nach seiner Ankunft. "Ich bin praktisch als junger Mann losgelaufen. Und jetzt bin ich 36 und habe eine Menge Haare verloren."  

Heute kein Zweifel mehr

Für einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde muss Garside Beweise vorlegen: ganz ohne GPS-Gerät. Er hat deshalb alles auf Videokassetten festgehalten, Unterschriften von Zeugen gesammelt, ebenso Belege von Restaurants und Hotels. Aber es gibt Ungereimtheiten. Wie eine Boulevardzeitung herausfindet, sind Anekdoten in seinem Online-Tagebuch während seiner Tour durch die USA 2001 frei erfunden. Die Presse setzt sich auf seine Fährte – und stellt die Leistung Garsides in Frage. Ins Guinness-Buch kommt er nie. 2007 erhält er immerhin eine Urkunde von den Machern des Buchs.

Der Journalist Dan Koeppel nimmt sich nochmals der Sache an. Er überprüft Aussagen und Dokumente. Heute ist er sicher, dass Garside die Erde umrundet hat: "Ich habe als Journalist etwas sehr Schlimmes getan, nämlich jemandem geschadet, der etwas Unglaubliches erreicht hat und dem niemand mehr glaubte." 2012 erscheint seine Rehabilitation im Magazin "Runners World". Was aus Garside geworden ist, weiß er nicht.

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