5. September 2006 - Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg (BER)

 Blick vom Dach des Terminalgebäudes des Flughafens Berlin Brandenburg

5. September 2006 - Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg (BER)

Die Geschichte des noch immer unvollendeten Berliner Flughafens BER beginnt kurz nach dem Mauerfall. Anfang Dezember 1989 entstehen Pläne für einen Großflughafen in Schönefeld am südlichen Berliner Stadtrand. Eine Kommission kommt jedoch zum Ergebnis, dass es wegen der Nähe zu Berlin ein schwieriges Genehmigungsverfahren werden würde. Andere Standorte wie zum Beispiel zwei Militärflugplätze in Brandenburg seien geeigneter. Doch der Bund und die Stadt Berlin bestehen auf dem Standort Schönefeld. Diese Entscheidung gibt Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) im Mai 1996 bekannt.

Der Beschluss sieht vor, dass die beiden anderen Berliner Flughäfen Tempelhof und Tegel geschlossen werden. Die eigens gegründete Flughafengesellschaft soll unter Aufsicht der Politik den Standort Schönefeld entwickeln. Bis Ende 1999 soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, 2007 soll der Großflughafen stehen. Doch schon eine Woche nach der Entscheidung für Schönfeld will Berlins Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) nicht einmal mehr einen Eröffnungstermin im Jahr 2010 garantieren.

Bieterstreit und Gerichtsauflagen

1997 entscheidet der Aufsichtsrat, den Flughafen Berlin Brandenburg International von einem privaten Investor bauen und betreiben zu lassen. Zwei Jahre später erhält ein Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief den Zuschlag. Kurz darauf moniert allerdings das Brandenburger Oberlandesgericht Fehler bei der Auftragsvergabe. Das im Bieterverfahren unterlegene Bonner IVG-Konsortium hatte geklagt. Nach jahrelangem Streit vor Gericht treten Hochtief und IVG zusammen als Bieter auf. Doch die Vertragsverhandlungen ziehen sich so in die Länge, dass die Gesellschafter im Mai 2003 die Gespräche mit der Bietergemeinschaft abbrechen.

Es wird beschlossen, den Flughafen in Eigenregie zu bauen. Weitere Zeit verstreicht, denn das genehmigte Planfeststellungsverfahren liegt Brandenburgs Verkehrsminister Frank Schimansky (SPD) anstatt 1999 erst 2004 vor. Die Planfeststellungsbehörde entscheidet, dass über 40.000 Berliner und Brandenburger Haushalte schallgeschützt werden müssen. Zudem muss die Flughafengesellschaft den Hausbesitzern in einer Kernzone um den Airport ihre Immobilie zu einem angemessenen Preis abkaufen. Dennoch verzögert sich der Baubeginn weiter. Denn mehrere vom Raumordnungsverfahren Betroffene klagen vor dem Oberverwaltungsgericht. Erst das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig macht im März 2006 den Weg frei für den Baubeginn - mit weiteren Auflagen: zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen sowie ein Nachtflugverbot zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens.

Steigende Kosten und verschobene Eröffnung

Durch alle angeordneten Maßnahmen und die Zeitverzögerung steigt die Kostenschätzung für den Flughafenneubau von 1,7 Milliarden auf 2,5 Milliarden Euro. Schließlich erfolgt am 5. September 2006 der Spatenstich, in Anwesenheit von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Als Eröffnungstermin wird nun der 31. Oktober 2011 genannt. Später wird der Termin auf den 3. Juni 2012 verschoben, als Begründung werden neue EU-Sicherheitsrichtlinien und die Pleite einer Planungsfirma genannt. Um sich auf diesen Termin vorzubereiten, wird im Frühjahr 2012 zwei Monate lang der Betrieb des Flughafens mit Komparsen geprobt.

Am 8. Mai 2012 wird die Eröffnungsfeier jedoch abgesagt. Der Flughafen "Willy Brandt" könne erst nach der Sommerpause eröffnet werden, teilt Flughafenchef Rainer Schwarz mit. Grund seien Probleme mit der Brandschutzanlage. Seither beschäftigt sich ein Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses mit dem Desaster. Die Geschäftsführung trage die Verantwortung für zahlreiche bauliche und technische Änderungen, der Aufsichtsrat vor allem für die laxe Kontrolle, sagt Andreas Otto, Sprecher der Grünen im Untersuchungsausschuss. Wann der Flughafen fertig sein wird, ist offen. Über fünf Milliarden Euro an Kosten sind bisher veranschlagt. Geplant ist noch immer, dass 27 Millionen Flugpassagiere pro Jahr den Flughafen nutzen.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 5. September 2016 ebenfalls an den Spatenstich für den Flughafen Berlin Brandenburg. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 05.09.2016, 00:00