12. Februar 1858 - Erste Modenschau in Paris

Kleider aus braunem Samt und Satin verziert mit Glasperlen und Straußenfedern von Charles Frederick Worth

12. Februar 1858 - Erste Modenschau in Paris

Ohne Spektakel verkauft keiner Mode. Karl Lagerfeld lässt im Oktober 2017 Felswände im Pariser Grand Palais errichten, an denen Wasser herunterperlt. Die Models laufen in Capes, Stiefeln und Hüten aus glasklarem PVC auf einem Steg durch die frische Dschungellandschaft.

Erste Modenschau in Paris (am 12.02.1858)

WDR 2 Stichtag 12.02.2018 04:14 Min. Verfügbar bis 10.02.2028 WDR 2


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Mode vorführen – das tun Designer seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist wohl ein Brite, der die erste Schau veranstaltet: Am 12. Februar 1858 lädt Charles Frederick Worth in seinen Pariser Modesalon in die Rue de la Paix.

Mannequins flanieren an Tischen mit Tee und Gebäck vorbei

Die Kundinnen müssen damals Zeit mitbringen: Drei bis vier Stunden dauert eine Modenschau. "Sie müssen sich junge Frauen vorstellen, die mit ihren Kleidern an kleinen Tischchen vorbei flanieren, auf denen Tee und Gebäck serviert werden", sagt die französische Modehistorikerin Florence Müller. Im Hintergrund spielt ein Orchester. Und die jungen Mannequins sind oft Verkäuferinnen.

"Damals gab es noch keine Modelmaße. Charles Frederick Worth hat die Verkäuferinnen danach ausgesucht, dass sie den Körpern der Kundinnen am ähnlichsten sind", sagt Marie Helbing, Kulturwissenschaftlerin aus Dortmund, die über Mode und Konsum forscht. Bis dahin wurden Kleider meist auf hölzernen Puppen präsentiert.

Ein Kleid für den Morgen oder den Abend?

Der Stoffhändler Charles Frederick Worth hat auch als Designer Talent: Er verändert die Silhouette, schneidert figurbetont, platziert die Stoffmassen rückseitig über einem falschen Hinterteil und nicht mehr seitlich an den Hüften.

"Während der Modenschau hat eine Verkaufsdame oder der Modeschöpfer selbst die Kleider angekündigt, Material, Form und Farbe erläutert und dazu gesagt zu welchem Anlass das Kleid getragen werden soll", erklärt Marie Helbing. Denn die gutsituierte Frau zieht sich mehrmals am Tag um. "Es gibt das Morgenkleid, das Kleid fürs Mittagsmahl, das für die Teestunde am Nachmittag. Ein Kleid ist für den Abend reserviert und es ist natürlich nicht dasselbe wie das Ballkleid", sagt Florence Müller.

Designer grübeln, wie sie die Inszenierung noch steigern können

Karl Lagerfelds Modenschau im Oktober 2017 ist nach 18 Minuten vorüber. Der Designer lässt sich kurz blicken und muss grübeln, wie er die Inszenierung beim nächsten Mal noch steigern kann. Denn Tee, Gebäck und schöne Kleider reichen heute nicht mehr.

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Stand: 12.02.2018, 00:00