5. Dezember 2006 - Geburtstag von Eisbär Knut

5. Dezember 2006 - Geburtstag von Eisbär Knut

Die Tage des Eisbären sind gezählt. Schon in 50 Jahren könnte das größte an Land lebende Säugetier der Welt ausgestorben sein. Den Tieren schmilzt der Lebensraum wegen des Klimawandels buchstäblich unter den Tatzen weg. Den noch verbliebenen 20.000 bis 25.000 Eisbären fehlt im Sommer das Eis.

Schlagzeilen wie diese sorgen heute kaum noch für Aufregung. Ganz anders ist das, als im Winter 2006 Eisbär Knut zur Welt kommt. Schon seine Geburt im Berliner Zoo sorgt für großes Medieninteresse und damit für gehörig Wirbel. Kein Wunder: Knut ist knuffig. Knut hat einen Namen. Und Knut hat eine zu Herzen gehende Geschichte, die sich in den Köpfen festbrennen kann.

Gleich an die Scheibe

Geboren wird Knut am 5. Dezember 2006. Es ist die erste Eisbärengeburt im Berliner Zoo seit 30 Jahren. Aber Mutter Tosca verstößt den Kleinen. Sein Leben steht auf der Kippe. Zum Glück gibt es Pfleger Thomas Dörflein, der sich bereit erklärt, Knut mit der Flasche großzuziehen. Dörflein wohnt mit Knut zusammen, rund um die Uhr ist er für den Eisbären da. Alle zwei Stunden gibt er ihm zu fressen. Und der Presse gibt er bereitwillig Auskunft. "Er ist sehr mutig, das habe ich gestern gesehen", erfährt die Öffentlichkeit über Knuts Charakter. "Da war er an der Scheibe bei den Eisbären und da ist sein Papa gekommen, und der ist an die Scheibe gesprungen und wollte ihn angreifen, und er ist nicht da weg, sondern ist auch gleich an die Scheibe ran."

Die Bilder vom niedlichen, tapsigen Eisbären gehen um die Welt und schaffen es auf die Titelseiten nicht nur der großen Boulevardblätter. Im März 2007 kündigt Tierarzt André Schüle an, dass Knut zusammen mit seinem Pfleger regelmäßig in einer Anlage im Bärenrevier zu sehen sein soll. Stundenlang stehen die Besucher an der Kasse Schlange, nur um dann später in einem Riesenpulk vor dem Gehege verzweifelt die Köpfe zu recken. Allein im ersten Jahr spült Knut dem Berliner Zoo so 10 Millionen Euro in die Kassen – das sind fast 30.000 Euro täglich.

Knut einschläfern?

Lange Zeit bleibt Knut der Liebling der Massen. Für Empörung sorgt der Vorschlag eines Tierrechtlers, ihn einzuschläfern, weil er von seiner Mutter verstoßen worden sei – tatsächlich wird im Rahmen dieses Vorschlags aber wieder eingehend über artgerechte Haltung von Eisbären in zoologischen Gärten diskutiert. Außerdem wächst Knut: Schon nach einem Jahr bringt er über 100 Kilo auf die Waage. Mit der Größe schwindet die Niedlichkeit, und mit der Niedlichkeit das Interesse. Bald ist Knut nur noch ein Eisbär unter vielen.

Zweimal allerdings gerät Knut doch noch in die Schlagzeilen: beim Tod seines Ziehvaters Thomas Dörflein 2008 an einem Herzinfarkt - und als er selbst drei Jahre später an den Folgen einer Hirnerkrankung stirbt. Posthum erhält Dörflein den "Berliner Bären" der B.Z. Jedes Jahr lobt die Fördergemeinschaft von Tierpark und Zoo Berlin e. V. zudem den "Thomas-Dörflein-Preis" für verdiente Tierpfleger aus.

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Stand: 05.12.2016, 00:00