21. Oktober 1907 - Gründung der "Edeka" in Leipzig

E. d. K.

21. Oktober 1907 - Gründung der "Edeka" in Leipzig

2017 tagt in Hamburg der G-20-Gipfel, und die Stadt befindet sich im Ausnahmezustand. In der Innenstadt hat sich ein "Schwarzer Block" formiert, der Barrikaden anzündet und Geschäfte plündert. Währenddessen sitzt André Kramer zuhause, schaut auf die Randalierer und hat Hunger.

Gründung von Edeka (am 21.10.1907)

WDR 2 Stichtag 21.10.2017 04:15 Min. Verfügbar bis 19.10.2027 WDR 2

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Da kommt ihm eine Idee, die auf Fotos später die Runde macht: Er malt ein Schild und geht damit unbehelligt durch die Blocks. Die Botschaft wird von beiden Seiten verstanden: "Ich bin Anwohner und gehe nur kurz zu Edeka. Danke".

"Wohlfühlen wie im Schlaraffenland"

Nur kurz zu Edeka - besser hätte man die Philosophie des Lebensmittelverbunds nicht beschreiben können. Im Schnitt dauert es in Deutschland laut Unternehmen nur sieben Minuten bis zum nächsten Laden. Und da soll der Kunde sich wohlfühlen.

In Hannover wurde ein Edeka-Markt nach Feng-Shui-Prinzipien errichtet, mit runden Wänden und Springbrunnen im Zentrum; ein Markt in Dortmund erhielt einen Architekturpreis. "Man soll sich wohlfühlen wie im Schlaraffenland", bemerkt eine Kundin schon 1961, "und kaufen, kaufen, kaufen".

Großaufträge sparen Kosten

Grundlage für Edeka ist der "Verband deutscher kaufmännischer Genossenschaften". Gegründet wird er von Genossenschaften und Einkaufsvereinigungen am späten Nachmittag des 21. Oktober 1907 im Leipziger Hotel de Pologne, um den darin organisierten Einzelhändlern bessere Einkaufsmöglichkeiten zu eröffnen.

1911 wird aus dem vom Verband gewählten Kürzel E.d.K. ("Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler") der Firmen- und Markenname Edeka. Konkurrenz gibt es von Anfang an, namentlich durch die Kula ("Kolonial- und Lebensmittelausstellung") und die PUG ("preiswert und gut").

Vom Krämerladen zum Supermarkt

Die Konkurrenten überlebt die Edeka aber ebenso wie einen Lieferboykott von 40 Markenartikelherstellern, der 1913 nach nur einem Jahr zusammenbricht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mausern sich die Edeka-Geschäfte im Deutschland des Wirtschaftswunders vom Krämerladen zum Supermarkt. Betrieben werden sie unter dem Ketten-Label von selbstständigen Einzelhändlern, die die Geschäfte auf eigene Rechnung und Verantwortung betreiben.

Die Ladengestaltung ist ebenfalls jedem Einzelnen überlassen, wenn der Marken-Bezug erhalten bleibt. Als Gruppe vergeben die Edeka-Händler Großaufträge an die Lieferanten. So können Gewinne maximiert und die Preise trotzdem möglichst klein gehalten werden.

Wenige Euro über Mindestlohn

Rund 4.000 Edeka-Geschäfte gibt es derzeit – ein straff organisiertes Handelsimperium, das aus einer Hamburger Zentrale, sieben Regionalgemeinschaften und der Discount-Tochter Netto besteht.

2016 erwirtschaftete die "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler" fast 50 Milliarden Euro. Damit ist Edeka der größte Lebensmittelhändler Deutschlands.

Und er möchte weiter wachsen: 2017 übernimmt der Supermarktriese die rund 400 Filialen der angeschlagenen Kette Kaiser's Tengelmann mitsamt der Mitarbeiter. Viele davon verdienen laut Gewerkschaftskritik in der Stunde gerade einmal zwei Euro mehr als den vom Staat bestimmten Mindestlohn.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 21. Oktober 2017 ebenfalls an die Gründung dr "Edeka" in Leipzig. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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