14. Juli 2005 - Cicely Saunders stirbt in London

Cicely Saunders, britische Ärztin der Palliativmedizin

14. Juli 2005 - Cicely Saunders stirbt in London

"Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben", sagt Cicely Saunders. Sie gilt neben Elisabeth Kübler-Ross als Begründerin der Palliativmedizin und der modernen Hospizbewegung. "Es geht um die Qualität des Lebens, das einem bleibt. Ganz gleich, wie lang oder wie kurz diese Zeit auch sein mag."

Geboren wird Saunders am 22. Juni 1918 in der Nähe von London. Die wohlhabenden Eltern trennen sich früh. Nach dem Internat studiert Cicely in Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaft. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, verlässt sie die Universität und beginnt in London eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Cicely Saunders, britische Ärztin (Todestag 14.07.2005)

WDR 2 Stichtag 14.07.2020 04:15 Min. Verfügbar bis 12.07.2030 WDR 2


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Begegnung mit Krebspatient

Nach einer Rückenverletzung darf Saunders nicht mehr als Krankenschwester arbeiten. Sie macht in Oxford ihren Studienabschluss - und wird Sozialarbeiterin in einem Londoner Krankenhaus. Ihre Begegnung mit dem krebskranken David Tasma Ende der 1940er Jahre wird für sie zum Schlüsselerlebnis.

Tasmas körperliche Schmerzen können medikamentös nicht gelindert werden. Zudem leidet er an emotionalen Schmerzen, weil er keine Familie mehr hat. Sie ist im Holocaust umgekommen.

"Total Pain" lindern

"Später wurde mir klar, was Menschen wie David brauchen: All unsere Erfahrung, unser Verständnis, aber auch all unsere Herzenswärme", so Saunders. Sie prägt den Begriff "Total Pain" ("Umfassender Schmerz"). Ein Mensch leide nicht nur physisch unter Schmerzen, sondern auch psychisch, sozial und spirituell.

Saunders und Tasma unterhalten sich auch darüber, wie ein Heim geschaffen werden kann, das der Schmerzkontrolle und den Vorbereitungen auf den nahen Tod besser gerecht wird, als ein Krankenhaus. Er vererbt ihr seine 500 Pfund mit der Bemerkung: "Ich werde ein Fenster in deinem Hospiz sein."

Raum schaffen

Saunders studiert Medizin, macht 1957 ihr Examen und forscht als eine der ersten über den Einsatz von Morphin bei Schwerstkranken am Lebensende. Damit legt sie die Basis für eine neue medizinische Disziplin: die Palliativmedizin.

1967 eröffnet Saunders im Süden Londons das "St. Christopher's Hospice". Ihr Konzept: Physische, spirituelle und psychosoziale Probleme sollen, soweit es geht, gelindert werden, um Raum zu schaffen für die Entfaltung des menschlichen Potenzials des Patienten. Wie dieser Raum ausgefüllt werde, sei allein Sache des Sterbenden.

Die mehrfach geehrte Cicely Saunders stirbt am 14. Juli 2005 mit 87-Jahren in ihrem eigenen Hospiz. Ihr Konzept ist heute Grundlage der Arbeit in der Palliativmedizin und in Hospizen weltweit.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 14. Juli 2020 ebenfalls an Cicely Saunders. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 14.07.2020, 00:00