9. Juli 1826 - Todestag von Charlotte Schiller

Charlotte Schiller

9. Juli 1826 - Todestag von Charlotte Schiller

An einem Dezembertag des Jahres 1787 schauen Charlotte und Caroline von Lengefeld in Rudolstadt an der Saale gelangweilt aus dem Fester. Zwar hat der 4.000-Seelen-Ort, in dem sie leben, einen Fürstenhof mit Barockschloss, aber für die lebenslustigen Damen sind die immer gleichen Konversationen des Adels über die Ernte, die Wirtschaft, die Familie öde. Nur die Romane der Hausbibliothek und die viel zu seltenen Ausflüge zu Charlottes Patin Freifrau von Stein, Goethes Seelenfreundin, versprechen Abwechslung. Aber hier vor dem Fenster in Rudolstadt passiert rein gar nichts.

Und dann passiert doch etwas. An jenem Dezembertag des Jahres 1787 nähern sich aus der Ferne zwei Reiter und halten direkt vor Charlottes und Carolines Fenster. "Sie waren in Mäntel gehüllt", wird die 1766 geborene Charlotte später schreiben. "Wir erkannten unseren Vetter Wilhelm Wolzogen, der sich scherzend das halbe Gesicht mit dem Mantel verbarg. Der andere Reiter war uns unbekannt und erregte unsere Neugier." Der andere Reiter ist Friedrich Schiller.

Heirat als Rettung

Zu dieser Zeit hat Schiller bereits sein Freiheitsdrama "Die Räuber" (1781) und sein bürgerliches Trauerspiel "Kabale und Liebe" (1784) verfasst. Jetzt ist er auf der Flucht vor seinem Dienstherrn Herzog Karl Eugen, der seinem "Regimentsmedicus" unter Androhung von Festungshaft literarisches Schreibverbot verordnet hat. Schiller ist groß und schlank, ein Freigeist und Rebell, mit leeren Taschen – und erfüllt mit all diesen Eigenschaften jene romantischen Ideen vom idealen Leben, die Charlotte und Caroline von Lengefeld haben. Kurzum: Die Schwestern verlieben sich auf Anhieb unsterblich.

Sechs Monate bleibt Schiller in Rudolstadt, trinkt im Sommer Weinschokolade im Garten, lässt sich bei Zahnweh und Husten bedauern, streift bei Mondschein mit den Mädchen durch die Landschaft und revanchiert sich mit erotisch-neckischen Briefchen. Dann wird das Dreiecksdauergeturtel Mutter von Lengefeld zu viel. Für die Schwestern gibt es nur eine Möglichkeit, Schiller zu halten: die Heirat. Die kesse Caroline ist bereits vergeben, also wird die eher schüchterne, zurückhaltende Charlotte auserwählt. 1790 wird sie Charlotte Schiller.

Treusorgend und liebevoll

Eine Weile geht die erotische Dreiecksbezehung noch gut, dann merkt Charlotte, wie weh ihr das tut. Zum ersten Mal in ihrem Leben wird sie resolut und verlangt von Schiller eine Entscheidung. Der entscheidet sich für sie. Für Charlotte beginnt eine nicht einfache Ehe. Schiller ist egozentrisch, hochsensibel, ständig krank, und verschmutzt mit seinem Schnupftabak die Wohnung. Aber Charlotte Schiller murrt nicht einmal, als sie hochschwanger gezwungen wird, auf Reisen zu gehen, packt alles zusammen, wenn Schiller einmal für ein halbes Jahr umziehen will, sorgt für Ruhe, wenn ihm der Lärm im Hause auf die Nerven geht, hilft ihm bei Auftragsarbeiten und pflegt ihn, wenn ihn das Fieber schüttelt. Zudem bringt sie Schiller und Goethe zusammen – und schafft so das Traumpaar der deutschen Literaturgeschichte.

Vier Kinder bekommen Charlotte und Friedrich Schiller. Als der Dichter 1805 nach schwerer Krankheit stirbt, zieht sie die zwei Söhne und zwei Töchter mit Liebe und Hingabe alleine groß. Und beginnt wieder, eigene Balladen, Erzählungen und Dramen zu schreiben. Charlotte Schiller stirbt am 9. Juli 1826 in Bonn, wohin sie ein Jahr zuvor zu ihrem Sohn Ernst gezogen war.

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Stand: 09.07.2016, 00:00