25. April 1995 - Erster Castor-Behälter trifft in Gorleben ein

Ankunft der ersten Castor-Behälters in Gorleben am 25.04.1995

25. April 1995 - Erster Castor-Behälter trifft in Gorleben ein

Die friedliche Nutzung der Kernenergie ist in der Bundesrepublik von Anfang an umstritten. Bereits in den 1960er Jahren gibt es Proteste. Doch die Politik bleibt unbeirrt: In den 1970er Jahren setzt die sozialliberale Koalition unter Helmut Schmidt (SPD) voll auf die neue Energieform. Das Ziel: 45 neue Atomkraftwerke.

Doch der Plan droht zu scheitern, als ein Gericht Ende 1976 den Bau des AKW Brokdorf stoppt. Denn ohne gesicherte Entsorgung - so die Richter - sollen keine weiteren Atomkraftwerke gebaut werden.

Breiter Widerstand

Bis dahin sind die Brennstäbe zur Wiederaufbereitung ins französische La Hague verfrachtet worden. Nun muss rasch ein eigenes Endlager für hochradioaktiven Müll her. Dafür geeignete Salzstöcke gebe es nur zwischen Harz und Heide in Niedersachsen, so Experten.

1977 wird Gorleben zum vorläufigen Standort bestimmt. In der Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg formiert sich nahezu kollektiver Widerstand. Eine bäuerliche Notgemeinschaft wird gegründet und die "Freie Republik Wendland" ausgerufen.

"Hier werden Abertausende von Menschen auf die Straße gehen", sagt Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Lieferung aus Philippsburg

Der anfängliche Plan, auch eine Wiederaufbereitungsanlage zu bauen, wird bald aufgegeben. Als Vorstufe zum Endlager wird 1983 das "Transportbehälterlager", eine oberirdische Betonhalle, fertiggestellt.

Doch Streit zwischen der Bundesregierung und dem Land Niedersachsen verzögert die Transporte. Im Februar 1995 verpflichtet Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU) schließlich Niedersachsen zur Annahme einer Lieferung aus dem baden-württembergischen AKW Philippsburg.

Erster Castor-Trasport nach Gorleben (am 25.05.1995)

WDR 2 Stichtag 25.04.2020 04:09 Min. Verfügbar bis 23.04.2030 WDR 2


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Rund 8.000 Polizisten

Am 25. April 1995 erreicht der erste sogenannte Castor Gorleben. Rund 8.000 Polizisten sichern den Spezialbehälter, während Demonstranten versuchen, den Transport wenigstens zu verzögern.

Es folgen noch zwölf weitere Castor-Transporte, der letzte 2011. Jedes Mal blockieren hunderte Bauern mit ihren Traktoren die Straßen. Andere Aktivisten besetzen die Bahnschienen und betonieren sich im Gleisbett ein.

Wende für Gorleben

Es gibt heftige Auseinandersetzungen und Verletzte auf beiden Seiten. Mit aller Macht setzt der Staat die Atompolitik gegen die Bevölkerung durch.

Nach dem Beschluss von 2011, definitiv aus der Atomenergie auszusteigen, kommt zwei Jahre später auch für Gorleben die Wende. Die Erkundung des Salzstockes wird vorerst gestoppt. Nun soll bundesweit bis 2031 ein geeigneter Standort gefunden werden.

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