25. Februar 1841 - Geburtstag von Auguste Renoir

Eine Besucherin betrachtet ein Gemälde von Pierre-Auguste Renoir

25. Februar 1841 - Geburtstag von Auguste Renoir

Die Kunstwelt ist entgeistert. "Könnte nicht mal jemand versuchen, Herrn Renoir zu erklären, dass der Oberkörper einer Frau kein verfaulender Fleischhaufen mit grünen und blauroten Flecken ist, wie sie bei völliger Verwesung einer Leiche auftreten?", schreibt ein sichtlich genervter Kritiker beim Anblick einer nackten Büste im flimmernden Halbschatten unter Bäumen. Dass Auguste Renoir "Fleisch in durchaus angenehmen Rosa-Tönen" male, wie ein anderer Kritiker konstatiert, ist noch eines der schmeichelhaftesten Urteile.

Heute ist Renoir wegen seiner Flecken berühmt. Damals bringt sein neuer Malstil die am akademischen Realismus geschulten Franzosen auf - ein Schicksal, dass er mit den anderen Impressionisten Ende des 19. Jahrhunderts teilt. Dabei will der Maler mit seiner Kunst doch vor allem die Schönheit des Lichts auf weiblichen Rundungen bannen. "Ein Gemälde muss liebenswürdig und beglückend sein", lautet sein aus heutiger Sicht eher harmloses Motto.

Gemalte Lebensfreude

Geboren wird Renoir am 25. Februar 1841 als Sohn eines Schneiders und einer Zuschneiderin in Limoges. Mit 13 Jahren beginnt er eine Lehre als Porzellanmaler. Zwei Jahre später qualifiziert ihn sein Talent für anspruchsvollere Aufgaben, die sonst nur älteren Malern in der Fabrik vorbehalten sind. Schon bald reicht Renoirs Lohn nicht nur für den eigenen Lebensunterhalt, sondern auch zur Unterstützung seiner Familie. Bescheiden wie er ist, hätte Renoir diese Tätigkeit vielleicht bis an sein Lebensende zufriedengestellt. Aber die Manufaktur muss schon 1858 schließen, weil die Kunden industriell bedruckte Teller und Tassen bevorzugen. Und auch das Bemalen von Wappen, Seidenfächern und Markisen, Renoirs spätere Betätigung, bringt am Ende nicht mehr genug Geld.

Von 1861 bis 1864 studiert Renoir in Paris Malerei, wo er durch die Zufallsbekanntschaft mit Gustave Courbet dazu ermuntert wird, nach der Natur im Freien ("plein air") zu malen. So findet er zu seinem Stil, der vor allem versucht, durch die Darstellung von Tänzen oder sommerlichen Treffen großer Menschengruppen, aber auch durch intime Akte beglückende Lebensfreude und flirrende Bewegung auf der Leinwand festzuhalten. Dabei ist ihm Unterhaltung beim Malen wichtig. "Ich glaube, mein Vater malte nur deshalb so schnell und gut, weil wir uns in seiner Nähe amüsierten", mutmaßt sein 1894 geborener Sohn, der Regisseur Jean Renoir. "Er brauchte Freude um sich. Und das kann man seinen Bilder an ansehen.“

Ein Haus für ein Gemälde

Stets bescheiden lebend, lässt sich der inzwischen längst anerkannte und berühmte Renoir erst in hohem Alter dazu überreden, seiner Familie in der Champagne ein Haus zu kaufen. Er bezahlt es mit dem Gemälde "Zwei Mädchen am Klavier", das 4.000 Francs bringt. Das Haus steht im Geburtsort seiner langjährigen Geliebten Aline Charigot, die er 1890 heiratet. Hier lebt auch Alines Cousine Gabrielle, die für rund 900 der insgesamt etwa 6.000 Gemälde, Aquarelle und Pastelle Renoirs Modell sitzt.

Auguste Renoir malt rund 60 Jahre lang Landschaften, Porträts und Akte: Auftragsarbeiten, aber auch freie Werke, die heute auf dem Kunstmarkt Millionen erzielen. Noch im Rollstuhl und mit völlig verkrümmten arthritischen Fingern führt er einen exakten Pinselstrich. Renoir stirbt 1919 in Cagnes-sur-Mer an der Côte d’Azur, wohin er wegen seiner Krankheit gezogen war.

Stand: 25.02.2016

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Stand: 25.02.2016, 00:00